Angst lähmt dich? Überwinde deine Angst mit neuen Lebenszielen

von | Persönliche Entwicklung | 1 Kommentar

„Die Angst lähmt mich und raubt mir meine Lebensfreude und meine Lebensziele.“

Greta ist 28 und sehr gut gelaunt, als sie zu mir kommt. Sie strahlt, aber ihre Augen spiegeln eine andere Realität wider. Sie arbeitet als Visagistin. Obwohl ihr die Arbeit Spaß bereitet, macht sie sich Sorgen um potenziell schädliche Inhaltsstoffe. Deshalb ist sie beruflich seit einer Weile verunsichert und weiß nicht, wie sie weiter vorgehen soll.

 

Soziale Ängste

In dem Erstgespräch offenbart Greta mir weitere Ängste, die sie belasten.

In Small-Talk-Situationen mit den Kunden empfindet sie Unsicherheit und befürchtet, dass sie langweilig oder uninteressant wirken könnte. Auch bei Ihren Kollegen verspürt sie Unsicherheit und findet oft keine interessanten Gesprächsthemen. Manchmal hat sie auch das Gefühl, nicht wahrgenommen zu werden. Von Mobbing oder dergleichen ist aber keine Rede.

 

Selbst- und Fremdwahrnehmung

Greta betrachtet sich insgesamt als etwas schüchtern, ziemlich ängstlich und völlig ziellos. Ihr Freund hat da eine andere Sicht. Er empfindet sie nicht als ängstlich, eher empfindlich oder hochsensibel und hyperaktiv. Seine Ermutigungen und Ratschlägen erwecken bei ihr aber eher Ärger und Wut.

 

Die Entscheidung für Life Coaching

Ihre beste Freundin hat ihr geraten, aufgrund ihrer Probleme, professionelle Hilfe, in Form von Psychotherapie, in Anspruch zu nehmen. Doch aufgrund der langen Wartelisten und der Tatsache, dass bei ihr keine Angststörung diagnostiziert wurde, hat sie sich stattdessen für Life Coaching entschieden.

Als ich Greta frage, warum sie sich für Life Coaching entschieden hat, erklärt sie mir: „Ich möchte praktische Tools an die Hand bekommen um meine Ängste zu verstehen und zu überwinden. Ich möchte gelassener durchs Leben gehen und richtige Lebensziele haben. Ich möchte wieder Glück und Sinnerfüllung erfahren.

 

Inhalt:

 

Text: Wenn Angst die Lebensfreude einschränkt

1. Angst – Analyse Life Coach
2. Psychologie: was ist Angst?
3. Soziale Angst überwinden: 3 Hacks
4. Philosophie: Angst vor der Zukunft

 

1. Angst – Analyse Life Coach

Zusammen mit Greta erarbeiten wir 3 Ziele, um ihre Ängste zu bewältigen, ihre persönliche Entwicklung voranzutreiben und berufliche Möglichkeiten zu erkunden. Unterstehende Tools haben Greta geholfen ihre sozialen Ängste weitgehend zu überwinden und freier und selbstbestimmter zu werden.

 

Ziel 1: Psychoedukation – Verstehen des Teufelskreises der Angst:

Gemeinsam mit Greta arbeiten wir daran, dass sie den Teufelskreis der Angst besser versteht. Indem sie erkennt, wie Gedanken, Gefühle und Verhalten miteinander interagieren, kann sie diesen Zyklus durchbrechen.
Praktische Tools
Greta lernt, wie negative Gedanken (z.B. „Ich werde in peinlichen Situationen immer versagen. „) zu körperlichen Reaktionen führen können (z.B. Herzklopfen), die wiederum ihre Angst und das Gefühl von Scham verstärken. Sie erkennt, wie diese Reaktionen ihren Umgang in sozialen Situationen beeinflussen.

 

Ziel 2: Stärkung des Smalltalks mit Kunden und Kollegen

Zusammen mit Greta konzentrieren wir uns darauf, ihre Unsicherheit im Smalltalk mit Kunden und Kollegen anzugehen. Wir setzen auf gezieltes Training, um ihren Selbstwert zu stärken und ihre Kommunikation zu verbessern. Schließlich arbeiten wir noch an ihrer Körpersprache.
Praktische Tools

Greta übt das Finden von Gemeinsamkeiten, das Formulieren von subtilen Komplimenten und das Argumentieren. In Rollenspielen üben wir auch Schlagfertigkeit.
Den Fokus legen wir auf Gretas Stärken, die sie in den Gesprächen betonen kann, um ihr Selbstvertrauen zu festigen. Sie lernt cooler und entspannter auf zu treten.

 

Ziel 3: Berufliche Ziele mit Fokus auf Naturheilprodukte:

Wir arbeiten daran, dass Greta ihre berufliche Unsicherheit überwindet und Klarheit darüber gewinnt, wie sie ihre Leidenschaft für Visagistik mit ihrem Interesse an Naturheilprodukten verbinden kann. Das ist Ihre Berufung.

 

Praktische Tools

Greta möchte sich auf natürliche Hautpflegeprodukte ohne Chemie spezialisieren. Das wäre im Einklang mit den Werten ihrer Lebens – Philosophie. Wir erstellen einen Aktionsplan, so dass sie sich in diesem Bereich weiterbilden kann. Sie entscheidet sich erstmal für eine Ausbildung als Ayurveda-Naturkosmetikerin. Das erfordert auch ein angepasstes Zeitmanagement.

 

Fazit

Nach etwa 12 Sitzungen von jeweils 90 Minuten, hat Greta bedeutende Fortschritte erzielt. Sie kann jetzt entspannte Smalltalk-Gespräche mit ihren Kunden führen und hat auch zu einigen Kollegen an der Arbeit ein angenehmes und konfliktfreies Verhältnis aufgebaut.
Sie hat von Vollzeit auf Teilzeit gewechselt, weil sie mittlerweile ein Praktikum bei einem Unternehmen für Naturheilprodukte macht. Dort ist sie von freundlichen Kollegen umgeben und ist motiviert und glücklich. Langfristig plant sie einen Berufswechsel.

 

2. Psychologie: was ist Angst?

Angst ist eine natürliche, adaptive Emotion, die als Alarmsystem dient und uns auf mögliche Bedrohungen aufmerksam macht. Wenn sie aber außer Kontrolle gerät, kann sie uns einschränken.

Für Greta hat ihre Angst einen Punkt erreicht, die sie nicht mehr nur vor möglichen Bedrohungen schützt, sondern selbst zum Hindernis für ihre Lebensqualität geworden ist. Bei Greta zeigt sich ihre Angst in sozialen Interaktionen und in ihrer Sorgen um ihre Zukunft.

 

3. Soziale Angst überwinden: 3 Hacks

 

Bei sozialer Angst spielen mindestens drei Faktoren eine Rolle:

 

1. Soziale Bewertungsangst:

Menschen haben oft Angst davor, von anderen negativ bewertet zu werden. Diese Angst kann dazu führen, dass sie sich in sozialen Situationen unsicher fühlen, insbesondere beim Smalltalk, wo der Fokus oft auf spontanen, ungezwungenen Gesprächen liegt.

Hack: Perspektivenwechsel

Versuche die Perspektive zu wechseln und dich zu fragen, ob die Meinung und Anerkennung oder Lob anderer wirklich so wichtig ist.
Erinnere dich daran, dass die meisten Menschen in sozialen Situationen mit ihren eigenen Gedanken und Sorgen beschäftigt sind und sich weniger auf dich konzentrieren, als du vielleicht denkst.
Bei Narzissten kannst du garantiert davon ausgehen, dass ihre Selbstwahrnehmung, durch das Bedürfnis nach Bewunderung, ihre Wahrnehmung dominiert.

 

2. Angst vor Ablehnung und Scham:

Menschen fürchten sich oft davor, unangenehme oder unpassende Dinge zu sagen, die zu Ablehnung oder Spott führen können. Diese Angst kann sie daran hindern, sich offen zu äußern, oder sich in sozialen Situationen wohl zu fühlen. Hinzu kommt die Furcht davor, etwas zu verpassen, (FOMO) wenn andere scheinbar ständig Spaß haben. Das führt zu einem negativen Mindset.

 

Hack: Risiken eingehen

Akzeptiere, dass Ablehnung und Scham Teil des menschlichen Lebens sind. Sei bereit, dich trotzdem zu öffnen und Risiken einzugehen. Oftmals sind die schlimmsten Befürchtungen unrealistisch und du könntest überrascht sein, wie positiv die Reaktionen anderer sein können.

 

3. Angst: Selbstzweifel und Unsicherheit

Menschen können an ihren eigenen Fähigkeiten zweifeln, interessante Gespräche zu führen und sich unsicher fühlen, wie sie auf andere wirken. Diese Selbstzweifel und Unsicherheiten, verstärkt durch innere Kritiker, können die Angst vor Smalltalk verstärken. Das kann dann dazu führen, dass Menschen sich immer weiter zurückziehen.

 

Hack: viel üben
Übe bewusst, empathisch und authentisch Smalltalk zu führen und dich in verschiedenen sozialen Situationen (beim Bäcker, beim Frisör etc.) wohl zu fühlen. Je öfter du dich solchen Situationen aussetzt, desto selbstbewusster wirst du im Umgang mit ihnen.

 

4. Philosophie: Angst vor der Zukunft

 

Camus: Das Absurde

Für Camus ist das Absurde der Widerspruch zwischen dem menschlichen Bedürfnis nach Sinn und dem Fehlen von Sinn oder Zweck im Universum. Camus behauptet also, dass das Absurde entsteht, weil die Welt unseren Sinnesansprüchen nicht gerecht wird. Oder, in Thomas Nagels Erzählweise:

Camus maintains that the absurd arises because the world fails to meet our demands for meaning.

 

Thomas Nagel: das Absurde in uns

In dieser Gegenüberstellung liegt aber, so Nagel, eine Annahme verborgen, dass eine andere (narrative)  Welt vielleicht schon unseren Ansprüche gerecht werden würde. Eine solche Welt gibt es aber nicht.

Somit entsteht die Absurdität unserer Situation nicht aus einem Zusammenstoß zwischen unseren Erwartungen und der Welt, sondern aus einem Zusammenstoß innerhalb unserer selbst.

Damit hat Nagel leider das Problem nicht gelöst, sondern höchstens verlagert und eher zu einem psychologischen Problem gemacht. Camus mag in seiner Gegenüberstellung von Mensch und Welt etwas voreilig gewesen sein, aber er hat sehr gut erkannt, dass Menschen Kontrol-freaks sind.

 

Illusorisches Streben nach Sicherheit und Kontrolle

Camus betont, dass die Angst vor der Zukunft oft aus unserem Streben nach Sicherheit und Kontrolle resultiert. Wir haben aber keine Garantie dafür, dass unsere Vorstellungen eintreten werden. Diese Ungewissheit kann zu Angst und Unruhe führen.

 

Akzeptanz und Leben im Hier und jetzt

Indem wir die Ungewissheit akzeptieren und uns von dem Drang nach Kontrolle lösen, können wir uns darauf konzentrieren, im Hier und Jetzt zu leben und das Leben in all seiner Vielfalt zu erfahren.

Für Camus liegt die Lösung nicht darin, die Angst vor der Zukunft zu verdrängen oder zu ignorieren, sondern sie anzuerkennen und sie als Teil der menschlichen Existenz zu akzeptieren.

 

Leben in Freiheit

Indem wir die Absurdität der Zukunft akzeptieren, können wir uns von der Last der Angst befreien und ein Leben führen, das von Freiheit, Mut und Lebendigkeit geprägt ist.

 

© Timo ten Barge 11.02.24

Bildnachweis Freepic

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1 Kommentar

  1. Michaela

    Lieber Timo,

    ich lese Deine Beiträge sehr gern, wie auch diesen über die „Angst“, in dem ich auch wieder einiges von mir erkannt habe. Angst lähmt mich zu 100%, macht mich handlungsunfähig und lässt mich da verharren, wo ich bin. Viele Menschen schaffen es die Angst zu nehmen und diese in Energie und eine Art „Ärmel hoch“-Mentalität zu verwandeln. Für mich ging das nie. Bis ich in einem Seminar für Gewaltfreie Kommunikation in einer Übung stand, in der die vier Grundgefühle Freude, Wut, Trauer und Angst erfühlt werden sollten. Beim Erfühlen der Angst war das Ergebnis für mich augenöffnend und wegweisend. Mir wurde klar, dass es lohnt, sich der Angst, auf welcher Ebene oder zu welchem Thema auch immer, zu stellen und ihr fest ins Auge zu blicken. „Alles was wir uns wünschen liegt hinter der Angst“, so heißt es und ja, so ist es auch…

    Herzliche Grüße,
    Michaela

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