Angst lähmt dich? Überwinde deine Angst mit neuen Lebenszielen - Lifecoach München

Angst lähmt dich? Überwinde deine Angst mit neuen Lebenszielen

von | Persönliche Entwicklung | 6 Kommentare

„Die Angst lähmt mich und raubt mir meine Lebensfreude und meine Lebensziele.“

Greta ist 28 und sehr gut gelaunt, als sie zu mir kommt. Sie strahlt, aber ihre Augen spiegeln eine andere Realität wider. Sie arbeitet als Visagistin. Obwohl ihr die Arbeit Spaß bereitet, macht sie sich Sorgen um potenziell schädliche Inhaltsstoffe. Deshalb ist sie beruflich seit einer Weile verunsichert und weiß nicht, wie sie weiter vorgehen soll.

 

Soziale Ängste

In dem Erstgespräch offenbart Greta mir weitere Ängste, die sie belasten.

In Small-Talk-Situationen mit den Kunden empfindet sie Unsicherheit und befürchtet, dass sie langweilig oder uninteressant wirken könnte. Auch bei ihren Kollegen verspürt sie Unsicherheit und findet oft keine interessanten Gesprächsthemen. Manchmal hat sie auch das Gefühl, nicht wahrgenommen zu werden. Von Mobbing oder dergleichen ist aber keine Rede.

 

Selbst- und Fremdwahrnehmung

Greta betrachtet sich insgesamt als etwas schüchtern, ziemlich ängstlich und völlig ziellos. Ihr Freund hat da eine andere Sicht. Er empfindet sie nicht als ängstlich, eher empfindlich oder hochsensibel und hyperaktiv. Seine Ermutigungen und Ratschlägen erwecken bei ihr aber eher Ärger und Wut.

 

Die Entscheidung für Life Coaching

Ihre beste Freundin hat ihr geraten, aufgrund ihrer Probleme, professionelle Hilfe, in Form von Psychotherapie, in Anspruch zu nehmen. Doch aufgrund der langen Wartelisten und der Tatsache, dass bei ihr keine Angststörung diagnostiziert wurde, hat sie sich stattdessen für Life Coaching entschieden.

Als ich Greta frage, warum sie sich für Life Coaching entschieden hat, erklärt sie mir: „Ich möchte praktische Tools an die Hand bekommen um meine Ängste zu verstehen und zu überwinden. Ich möchte gelassener durchs Leben gehen und richtige Lebensziele haben. Ich möchte wieder Glück und Sinnerfüllung erfahren.

 

Inhalt:

 

Text: Wenn Angst die Lebensfreude einschränkt

1. Angst – Analyse Life Coach
2. Psychologie: Was ist Angst?
3. Soziale Angst überwinden: 3 Hacks
4. Philosophie: Angst vor der Zukunft

 

1. Angst – Analyse Life Coach

Greta und ich erarbeiten 3 Ziele, um ihre Ängste zu bewältigen, ihre persönliche Entwicklung voranzutreiben und berufliche Möglichkeiten zu erkunden. Unterstehende Tools haben Greta geholfen, ihre sozialen Ängste weitgehend zu überwinden und freier und selbstbestimmter zu werden.

 

Ziel 1: Psychoedukation – Verstehen des Teufelskreises der Angst:

Greta und ich arbeiten daran, dass sie den Teufelskreis der Angst besser versteht. Indem sie erkennt, wie Gedanken, Gefühle und Verhalten miteinander interagieren, kann sie diesen Zyklus durchbrechen.

Praktische Tools

Greta lernt, wie negative Gedanken (z.B. „Ich werde in peinlichen Situationen immer versagen. „) zu körperlichen Reaktionen führen können (z.B. Herzklopfen), die wiederum ihre Angst und das Gefühl von Scham verstärken. Sie erkennt, wie diese Reaktionen ihren Umgang in sozialen Situationen beeinflussen.

 

Ziel 2: Stärkung des Smalltalks mit Kunden und Kollegen

Wir konzentrieren uns darauf, ihre Unsicherheit im Smalltalk mit Kunden und Kollegen anzugehen. Wir setzen auf gezieltes Training, um ihren Selbstwert zu stärken und ihre Kommunikation zu verbessern. Schließlich arbeiten wir noch an ihrer Körpersprache.

Praktische Tools

Greta übt das Finden von Gemeinsamkeiten, das Formulieren von subtilen Komplimenten und das Argumentieren. In Rollenspielen üben wir auch Schlagfertigkeit.
Den Fokus legen wir auf Gretas Stärken, die sie in den Gesprächen betonen kann, um ihr Selbstvertrauen zu festigen. Sie lernt cooler und entspannter aufzutreten.

 

Ziel 3: Berufliche Ziele mit Fokus auf Naturheilprodukte:

Wir arbeiten daran, dass Greta ihre berufliche Unsicherheit überwindet und Klarheit darüber gewinnt, wie sie ihre Leidenschaft für Visagistik mit ihrem Interesse an Naturheilprodukten verbinden kann. Das ist ihre Berufung.

Praktische Tools

Greta möchte sich auf natürliche Hautpflegeprodukte ohne Chemie spezialisieren. Das wäre im Einklang mit den Werten ihrer Lebensphilosophie. Wir erstellen einen Aktionsplan, so dass sie sich in diesem Bereich weiterbilden kann. Sie entscheidet sich erstmal für eine Ausbildung als Ayurveda-Naturkosmetikerin. Das erfordert auch ein angepasstes Zeitmanagement.

 

Fazit

Nach etwa 12 Sitzungen von jeweils 90 Minuten, hat Greta bedeutende Fortschritte erzielt. Sie kann jetzt entspannte Smalltalk-Gespräche mit ihren Kunden führen und hat auch zu einigen Kollegen in der Arbeit ein angenehmes und konfliktfreies Verhältnis aufgebaut.
Sie hat von Vollzeit auf Teilzeit gewechselt, weil sie mittlerweile ein Praktikum bei einem Unternehmen für Naturheilprodukte macht. Dort ist sie von freundlichen Kollegen umgeben und fühlt sich motiviert und glücklich. Langfristig plant sie einen Berufswechsel.

 

2. Psychologie: was ist Angst?

Angst ist eine natürliche, adaptive Emotion, die als Alarmsystem dient und uns auf mögliche Bedrohungen aufmerksam macht. Wenn sie aber außer Kontrolle gerät, kann sie uns einschränken.

Für Greta hat ihre Angst einen Punkt erreicht, die sie nicht mehr nur vor möglichen Bedrohungen schützt, sondern sogar zum Hindernis für ihre Lebensqualität geworden ist. Bei Greta zeigt sich ihre Angst in sozialen Interaktionen und in ihren Sorgen um ihre Zukunft.

 

3. Soziale Angst überwinden: 3 Hacks

 

Bei sozialer Angst spielen mindestens drei Faktoren eine Rolle:

 

1. Soziale Bewertungsangst:

Menschen haben oft Angst davor, von anderen negativ bewertet zu werden. Diese Angst kann dazu führen, dass sie sich in sozialen Situationen unsicher fühlen, insbesondere beim Smalltalk, wo der Fokus oft auf spontanen, ungezwungenen Gesprächen liegt.

 

Übung: Perspektivenwechsel

Versuche die Perspektive zu wechseln und dich zu fragen, ob die Meinung und Anerkennung oder Lob anderer wirklich so wichtig ist.
Erinnere dich daran, dass die meisten Menschen in sozialen Situationen mit ihren eigenen Gedanken und Sorgen beschäftigt sind und sich weniger auf dich konzentrieren, als du vielleicht denkst.
Bei Narzissten kannst du garantiert davon ausgehen, dass ihre Selbstwahrnehmung, durch das Bedürfnis nach Bewunderung, ihre Wahrnehmung dominiert.

 

2. Angst vor Ablehnung und Scham:

Menschen fürchten sich oft davor, unangenehme oder unpassende Dinge zu sagen, die zu Ablehnung oder Spott führen können. Diese Angst kann sie daran hindern, sich offen zu äußern, oder sich in sozialen Situationen wohlzufühlen. Hinzu kommt die Furcht davor, etwas zu verpassen, (FOMO) wenn andere scheinbar ständig Spaß haben. Das führt zu einem negativen Mindset.

 

Übung: Risiken eingehen

Akzeptiere, dass Ablehnung und Scham Teil des menschlichen Lebens sind. Sei bereit, dich trotzdem zu öffnen und Risiken einzugehen. Oftmals sind die schlimmsten Befürchtungen unrealistisch und du könntest überrascht sein, wie positiv die Reaktionen anderer sein können.

 

3. Angst: Selbstzweifel und Unsicherheit

Menschen können an ihren eigenen Fähigkeiten zweifeln, interessante Gespräche zu führen und sich unsicher fühlen, wie sie auf andere wirken. Diese Selbstzweifel und Unsicherheiten, verstärkt durch innere Kritiker, können die Angst vor Smalltalk verstärken. Das kann dann dazu führen, dass Menschen sich immer weiter zurückziehen.

 

Übung: viel üben

Übe bewusst, empathisch und authentisch Smalltalk zu führen und dich in verschiedenen sozialen Situationen (beim Bäcker, beim Frisör etc.) wohlzufühlen. Je öfter du dich solchen Situationen aussetzt, desto selbstbewusster wirst du im Umgang mit ihnen.

 

4. Philosophie: Angst vor der Zukunft

 

Camus: Das Absurde

Für Camus ist das Absurde der Widerspruch zwischen dem menschlichen Bedürfnis nach Sinn und dem Fehlen von Sinn oder Zweck im Universum. Camus behauptet also, dass das Absurde entsteht, weil die Welt unseren Sinnesansprüchen nicht gerecht wird. Oder, in Thomas Nagels Erzählweise:

Camus maintains that the absurd arises because the world fails to meet our demands for meaning.

 

Thomas Nagel: das Absurde in uns

In dieser Gegenüberstellung liegt aber, so Nagel, eine Annahme verborgen, dass eine andere (narrative)  Welt vielleicht schon unseren Ansprüchen gerecht werden würde. Eine solche Welt gibt es aber nicht.

Somit entsteht die Absurdität unserer Situation nicht aus einem Zusammenstoß zwischen unseren Erwartungen und der Welt, sondern aus einem Zusammenstoß innerhalb unserer selbst.

Damit hat Nagel leider das Problem nicht gelöst, sondern höchstens verlagert und eher zu einem psychologischen Problem gemacht. Camus mag in seiner Gegenüberstellung von Mensch und Welt etwas voreilig gewesen sein, aber er hat sehr gut erkannt, dass Menschen Kontrollfreaks sind.

 

Illusorisches Streben nach Sicherheit und Kontrolle

Camus betont, dass die Angst vor der Zukunft oft aus unserem Streben nach Sicherheit und Kontrolle resultiert. Wir haben aber keine Garantie dafür, dass unsere Vorstellungen eintreten werden. Diese Ungewissheit kann zu Angst und Unruhe führen.

 

Akzeptanz und Leben im Hier und jetzt

Indem wir die Ungewissheit akzeptieren und uns von dem Drang nach Kontrolle lösen, können wir uns darauf konzentrieren, im Hier und Jetzt zu leben und das Leben in all seiner Vielfalt zu erfahren.

Für Camus liegt die Lösung nicht darin, die Angst vor der Zukunft zu verdrängen oder zu ignorieren, sondern sie anzuerkennen und sie als Teil der menschlichen Existenz zu akzeptieren.

 

Leben in Freiheit

Indem wir die Absurdität der Zukunft akzeptieren, können wir uns von der Last der Angst befreien und ein Leben führen, das von Freiheit, Mut und Lebendigkeit geprägt ist.

 

© Timo ten Barge 11.02.24

Bildnachweis Freepic
storyset – Freepik.com

Du hast Fragen, oder möchtest einen Kommentar abgeben? Dann schreibe mir doch gerne eine Nachricht gleich hier unten.

6 Kommentare

  1. Michaela

    Lieber Timo,

    ich lese Deine Beiträge sehr gern, wie auch diesen über die „Angst“, in dem ich auch wieder einiges von mir erkannt habe. Angst lähmt mich zu 100%, macht mich handlungsunfähig und lässt mich da verharren, wo ich bin. Viele Menschen schaffen es die Angst zu nehmen und diese in Energie und eine Art „Ärmel hoch“-Mentalität zu verwandeln. Für mich ging das nie. Bis ich in einem Seminar für Gewaltfreie Kommunikation in einer Übung stand, in der die vier Grundgefühle Freude, Wut, Trauer und Angst erfühlt werden sollten. Beim Erfühlen der Angst war das Ergebnis für mich augenöffnend und wegweisend. Mir wurde klar, dass es lohnt, sich der Angst, auf welcher Ebene oder zu welchem Thema auch immer, zu stellen und ihr fest ins Auge zu blicken. „Alles was wir uns wünschen liegt hinter der Angst“, so heißt es und ja, so ist es auch…

    Herzliche Grüße,
    Michaela

    Antworten
    • Timo

      Liebe Michaela,

      es freut mich, dass dir meine Beiträge gefallen. Ich stimme dir voll und ganz zu, es ist wirklich wichtig, sich dem Thema Angst zu stellen. Toll, dass du es geschafft hast!

      Beste Grüße,
      Timo

      Antworten
  2. Simone

    Hallo Timo,
    Deine Beschreibung von Greta erinnert mich sehr an meine beste Freundin. Deine bildliche Darstellung finde ich wirklich gelungen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass es in der Welt zwei Arten von Menschen gibt: diejenigen, die sich von ihren Ängsten beherrschen lassen, und diejenigen, die das Leben aktiv angehen. Es wäre schön, wenn meine Freundin auch gelassener durchs Leben geht.

    Ich verstehe ihre Ängste, aber ich möchte ihr auch helfen. Sie kämpft oft mit einem niedrigen Selbstwertgefühl, und dem Bedürfnis, alles perfekt zu machen. Hast du vielleicht eine Idee, wie ich ihr helfen kann?

    Übrigens, dein Blog hat mir sehr gut gefallen:-)
    Herzliche Grüße,
    Simone

    Antworten
    • Timo

      Liebe Simone,

      Es ist schön zu hören, wie sehr du dich um deine Freundin kümmerst und sie unterstützen möchtest. Offene Gespräche über Gefühle können wirklich helfen. Du kannst ihr sagen, dass du für sie da bist und dass sie geliebt und wertvoll ist, egal was passiert.

      Vielleicht wäre es auch gut, zusammen zu überlegen, ob professionelle Hilfe eine Option wäre. Eine Therapie oder Coaching könnten neue Perspektiven bringen und dabei helfen, persönliche Herausforderungen anzugehen.

      Ich hoffe, diese Ideen können deiner Freundin weiterhelfen.

      Vielen Dank noch einmal für dein Kompliment zu meinem Blog!

      Liebe Grüße,
      Timo

      Antworten
  3. Simone

    Lieber Timo
    vielen lieben Dank für deine Hilfe, das schätze ich sehr. Kannst du mir vielleicht erklären, warum ich als gute Freundin, ihr nicht helfen kann, obwohl ich sie doch so gut kenne?

    Herzliche Grüße,

    Simone

    Antworten
    • Timo

      Liebe Simone,
      natürlich spielst du als gute Freundin eine sehr wichtige Rolle, weil du deine Freundin gut kennst und ihr nahe bist. Deine unterstützende Präsenz gibt Trost und hilft ihr, sich verstanden zu fühlen. Professionelle Hilfe bietet aber spezielle Vorteile: Therapeuten und Life Coaches verfügen über Fachwissen und spezifische Techniken. Professionelle Helfer bieten objektive Einsichten und den wichtigen Blick von außen. Sie haben außerdem Erfahrung mit ähnlichen Fällen.

      Deine Rolle als Freundin ist einzigartig, aber die Zusammenarbeit mit einem Profi kann zusätzliche Perspektiven und spezialisierte Hilfe bieten. Deine Bereitschaft, professionelle Unterstützung zu suchen, zeigt, wie sehr du dich um deine Freundin kümmerst.

      Wenn du weitere Fragen hast oder Unterstützung brauchst, stehe ich gerne zur Verfügung.  
      Herzliche Grüße, Timo

      Antworten

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert