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Bin ich meine Arbeit? Über Lebenssinn

von | Sinn- und Wertefragen | 0 Kommentare

Es gab eine Zeit, in der Arbeit für viele eine sinnfreie und vielleicht sogar eintönige Angelegenheit war, Künstler oder Wissenschaftler ausgeschlossen. In Sachen Zufriedenheit und Glück wurde wenig hinterfragt und die Antwort auf viele Lebensfragen und Lebenszielen waren ja schon vorgegeben, beispielsweise von der Kirche. Auf die Frage: ‚Bin ich meine Arbeit?‘ ist die Antwort eindeutig ‚Ja‘.

 

Nietzsche über Lebenssinn

Laut Denkern und Philosophen wie Nietzsche, die Gott für tot erklärt haben, muss man den Lebenssinn aus sich selbst schöpfen. Es gibt demnach keinen Schöpfergott und kein höheres Ziel, das es zu entdecken gibt. Diese Annahme verursacht bei einigen Menschen immer noch Verwirrung. Die Frage, wenn sie schon gestellt wird, bleibt nämlich, wie und wo dann Sinn geschaffen wird. Der Ort, wo Sinn geschaffen wird, hat sich inzwischen ausgeweitet, die Arbeit selbst soll im Idealfall Erfüllung und Freiheit geben. Der Ideengeber für diesen Sinn ist aber der Mensch selbst geworden.

 

Übung Werte

Wenn sich Gedanken in diese Richtung entwickeln, empfehle ich meinen Klienten oft, eine Liste ihrer persönlichen Werte zu erstellen. Diese Übung hilft dabei, sich bewusst zu werden, welche Prinzipien und Überzeugungen für sie am wichtigsten sind. Diese Werte, so betone ich, sind die Grundpfeiler, auf denen sie ihren eigenen Sinn im Leben aufbauen können.

 

Übung Ziele

Ein weiterer Schritt ist die Festlegung klarer und inspirierender Ziele in verschiedenen Lebensbereichen wie Beruf, persönliche Entwicklung, soziale Verbindungen oder spirituelle Erfahrungen. Wir erarbeiten gemeinsam realistische Pläne und konkrete Schritte, um diese Ziele zu verfolgen. Die Umsetzung dieser Ziele ermöglicht es ihnen, ihren individuellen Sinn und Zweck im Leben zu entdecken und zu festigen.

 

Übung Achtsamkeit

Achtsamkeitsübungen und Meditation sind ebenfalls effektive Werkzeuge, um den Fokus auf den gegenwärtigen Moment zu lenken und ein besseres Selbstverständnis zu entwickeln. Ich ermutige meine Klienten, Selbstmitgefühl und Selbstakzeptanz zu kultivieren, indem sie lernen, sich selbst ohne Vorurteile zu betrachten und sich selbst zu vergeben, wenn sie von ihren eigenen Standards abweichen. Diese Methoden dienen als Ausgangspunkt für die Reise zur Selbstentdeckung und Sinnfindung, bei der der Mensch selbst der Schöpfer seines eigenen Sinns ist, wie es von Denkern wie Nietzsche vorgeschlagen wurde.“

 

Sartre über Lebenssinn

Dass es für viele kein höheres Wesen mehr gibt, scheint unproblematisch, aber die Sinnfrage bleibt. Das macht das Leben aber nicht sinnlos, sondern im Gegenteil lebenswert. Jetzt ist man nämlich selbst verantwortlich für sein Handeln. Nach Sartre existiert der Mensch zuerst ohne Wesensbestimmung, und kann sich selbst so entfalten. Der Mensch ist also nicht nach einem Begriff, mit Eigenschaften und irgendwelchen Zielen geschaffen.

 

Übung Existenzialistische Selbstreflexion:

Wenn sich Gedanken in diese Richtung entwickeln, empfehle ich oft, die eigenen Überzeugungen bezüglich des Lebenssinns zu erkunden. Die Frage ist, ob man glaubt, dass das Leben ohne ein höheres Wesen sinnlos ist oder ob man, wie Sartre es beschreibt, die Abwesenheit eines vorgegebenen Sinns als eine Chance zur persönlichen Freiheit und Verantwortung sieht. Es könnte hilfreich sein, Gedanken und Gefühle in einem Tagebuch festzuhalten und zu versuchen, die eigene Philosophie des Lebenssinns zu skizzieren.

 

Übung Selbstverantwortung und Handlung:

Wenn sich solche Gedanken entwickeln, lade ich dazu ein, die aktuellen Lebensentscheidungen und Handlungen zu betrachten. Die Frage lautet, inwieweit man Verantwortung für diese Entscheidungen übernimmt und wie man sich in verschiedenen Lebensbereichen, sei es in Beziehungen, Beruf oder persönlicher Entwicklung, verhält. Es kann sinnvoll sein, zu analysieren, ob die Handlungen von äußeren Erwartungen oder von eigenen inneren Werten und Überzeugungen geleitet werden. Die Überlegung ist, ob man bereit ist, mehr Selbstverantwortung für die getroffenen Entscheidungen zu übernehmen.

 

Übung Entfaltung der Selbstbestimmung:

Wenn man über die Idee nachdenkt, dass der Mensch nach Sartre zuerst ohne Wesensbestimmung existiert und sich selbst entfalten kann, könnte man sich vorstellen, dass es keine vorgegebenen Eigenschaften oder Ziele gibt, die einen einschränken. Hierbei ist es hilfreich, eine Liste von Zielen, Träumen und Potenzialen zu erstellen, die man im Leben entfalten möchte. Dann kann man darüber nachdenken, welche Schritte unternommen werden können, um diese Ziele zu erreichen, und wie die eigene Existenz aktiv gestaltet werden kann.

 

 

Verlust von Lebenssinn: Erich Fromm

Die Welt an sich birgt keinen Sinn, es sind die Menschen, die ihr Sinn verleihen können. Das, was der Mensch hat, ist die Möglichkeit, Sinn zu schaffen, auch in der Arbeit, die er verrichtet. Seine Projekten machen den Menschen immer mehr zu dem, was er ist. Das heißt im Umkehrschluss, dass Arbeitslosigkeit Stillstand und Verlust von Lebenssinn bedeutet. Das Problem, es trifft die betroffene Person in ihrer ganzen Existenz.

Erich Fromm. war ein renommierter deutsch-amerikanischer Psychologe und Philosoph, der die Bedeutung von Arbeit für das menschliche Wohlbefinden und die Selbstverwirklichung betonte. Fromm argumentierte, dass Arbeit nicht nur als Mittel zur materiellen Existenzsicherung betrachtet werden sollte, sondern auch als ein Mittel zur Selbstverwirklichung und zur Erfüllung des individuellen Lebenssinns dienen kann. Er glaubte, dass Menschen durch ihre Arbeit die Möglichkeit haben, ihre Fähigkeiten und Talente auszudrücken und einen sinnvollen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten.

 

Überlebenswille durch Sinn: Viktor Frankl

Viktor Frankl, ein österreichischer Neurologe und Psychiater, entwickelte die Logotherapie, die auf der Annahme basiert, dass die Suche nach Sinn und Zweck im Leben ein grundlegendes menschliches Bedürfnis ist. Frankl argumentierte, dass Menschen die Fähigkeit haben, selbst in den scheinbar sinnlosesten oder schwierigsten Lebenssituationen Sinn zu finden, wenn sie ihre Einstellung und Sichtweise ändern.

Ein Beispiel, das Viktor Frankls Überzeugung illustriert, stammt aus seiner eigenen Erfahrung im Konzentrationslager während des Zweiten Weltkriegs. Trotz der entsetzlichen Bedingungen und der unermesslichen Grausamkeit in den Lagern gelang es Frankl, Sinn in seinem Leiden zu finden, indem er sich auf die Idee des Überlebens und die Hilfe für andere konzentrierte. Er erkannte, dass selbst in einer scheinbar ausweglosen Situation die innere Einstellung und die Suche nach einem höheren Sinn ihm halfen, die Entbehrungen zu überstehen.

 

 

raus aus dem Hamsterrad: der Alltag

In der Gesellschaft hat sich die Idee verfestigt, dass ein Leben durch verschiedene Stadien gehen soll, etwa angefangen mit dem Studieren und dem Sich-Bilden, dann kommt die Arbeit und schließlich die Rente. Wer sich nicht an diese drei Phasen hält, hat manchmal das Gefühl, sich rechtfertigen zu müssen. Es ist, als ob zuerst der Geist angeregt werden soll, daraufhin Körper und Geist und schließlich dürfen Körper und Geist sich ausruhen oder erholen.

Dabei wäre es nicht verkehrt, wenn sich Menschen immer wieder etwas Ruhe und Zeit zum Reflektieren gönnen würden. Ohne diese innere Ruhe und Achtsamkeit entsteht oft Stress, Ärger und Wut, der wiederum zu modernen Krankheiten wie Burnout führen kann. Dann hilft nur noch Psychotherapie. Im Berufsleben wird diese Ruhe meistens ‘übersetzt’ mit Urlaub. Auftanken und regenerieren heißt es dann. Dabei wird aber vor allem an das Wohl und die Motivation des Arbeitgebers gedacht, der nach dem Urlaub mehr vom Arbeitnehmer hat.

 

 

warum ich nicht meine Arbeit bin

Ideal wäre es, wenn Arbeit und Erholung täglich miteinander verbunden würden, wie eine Berufung. Man kann überlegen, welche Werte und Ziele einem persönlich wichtig sind. So kann der Urlaub wirklich ein unbeschwerter Urlaub werden, der seinetwillen genossen wird und somit nicht instrumentalisiert wird. ICH BIN ALSO NICHT MEINE ARBEIT, SONDERN MEINE ARBEIT IST NUR EIN TEIL VON MIR, einerseits als notwendiger Lebensunterhalt und im Idealfall auch als Selbstentfaltung und immer wieder als Resonanzfläche zum Nachdenken. Vielleicht bringt den Berufswechsel das erhoffte Glück.

 

 

praktische Überlegungen

Was gefällt mir an meiner Arbeit und werden meine Wünsche erfüllt?
Brauche ich überhaupt Arbeit als sinnvolle Tätigkeit?

  • Ein Idealist würde vielleicht die Selbstentfaltung nennen
  • Einem Materialisten reicht ein gutes Gehalt.
  • Der Zyniker würde sich fragen, was Vergnügen und Arbeit miteinander zu tun haben
  • Einem Positivisten reicht ein gutes Gespräch in der Kaffeepause.
  • Ein Träumer wurde sich immer wieder die ideale Arbeit vorstellen, aber ihm fehlt den Mut zu handeln

→ Jeder findet vielleicht Aspekte dieser Stereotypen in sich und seinem Freundeskreis wieder

 

© Timo ten Barge [05.02.2015]

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