Als der Lebenssinn noch vorgegeben war

Es gab eine Zeit, in der Arbeit für viele eine sinnfreie und vielleicht sogar eintönige Angelegenheit war, Künstler oder Wissenschaftler ausgeschlossen. In Sachen Lebensunterhalt wurde wenig hinterfragt und die Antwort auf viele Lebensfragen waren ja schon vorgegeben, beispielsweise von der Kirche.

Nietzsche über Lebenssinn

Laut Denkern wie Nietzsche, die Gott für tot erklärt haben, muss man den Sinn aus sich selbst schöpfen. Es gibt demnach keinen Schöpfergott und kein höheres Ziel, das es zu entdecken gibt. Diese Annahme verursacht bei einigen Menschen immer noch Verwirrung. Die Frage, wenn sie schon gestellt wird, bleibt nämlich, wie und wo dann Sinn geschaffen wird. Der Ort, wo Sinn geschaffen wird, hat sich inzwischen ausgeweitet, die Arbeit selbst soll im Idealfall Erfüllung geben. Der Ideengeber für diesen Sinn ist aber der Mensch selbst geworden.

Sartre über Lebenssinn

Dass es für viele kein höheres Wesen mehr gibt, scheint unproblematisch, aber die Sinnfrage bleibt. Das macht das Leben aber nicht sinnlos, sondern im Gegenteil lebenswert. Jetzt ist man nämlich selbst verantwortlich für sein Handeln. Nach Sartre existiert der Mensch zuerst ohne Wesensbestimmung, und kann sich selbst so entfalten. Der Mensch ist also nicht nach einem Begriff, mit Eigenschaften und irgendwelchen Zielen geschaffen.

Verlust von Lebenssinn

Die Welt an sich birgt keinen Sinn, es sind die Menschen, die ihr Sinn verleihen können. Das, was der Mensch hat, ist die Möglichkeit, Sinn zu schaffen, auch in der Arbeit, die er verrichtet. Seine Projekten machen den Menschen immer mehr zu dem, was er ist. Das heißt im Umkehrschluss, dass Arbeitslosigkeit Stillstand bedeutet und die betroffene Person in ihrer ganzen Existenz trifft.

raus aus dem Hamsterrad

In der Gesellschaft hat sich die Idee verfestigt, dass ein Leben durch verschiedene Stadien gehen soll, etwa angefangen mit dem Studieren und dem Sich-Bilden, dann kommt die Arbeit und schließlich die Rente. Wer sich nicht an diese drei Phasen hält, hat manchmal das Gefühl, sich rechtfertigen zu müssen. Es ist, als ob zuerst der Geist angeregt werden soll, daraufhin Körper und Geist und schließlich dürfen Körper und Geist sich ausruhen oder erholen.

Dabei wäre es nicht verkehrt, wenn sich Menschen immer wieder etwas Ruhe und Zeit zum Reflektieren gönnen würden. Ohne diese innere Ruhe und Achtsamkeit entsteht oft Stress, der wiederum zu modernen Krankheiten wie Burnout führen kann. Im Berufsleben wird diese Ruhe meistens ‘übersetzt’ mit Urlaub. Auftanken und regenerieren heißt es dann. Dabei wird aber vor allem an das Wohl des Arbeitgebers gedacht, der nach dem Urlaub mehr vom Arbeitnehmer hat.

warum ich nicht meine Arbeit bin

Ideal wäre es, wenn Arbeit und Erholung täglich miteinander verbunden würden. Man kann überlegen, welche Werte und Ziele einem persönlich wichtig sind. So kann der Urlaub wirklich ein unbeschwerter Urlaub werden, der seinetwillen genossen wird und somit nicht instrumentalisiert wird. ICH BIN ALSO NICHT MEINE ARBEIT, SONDERN MEINE ARBEIT IST NUR EIN TEIL VON MIR, einerseits als notwendiger Lebensunterhalt und im Idealfall auch als Selbstentfaltung und immer wieder als Resonanzfläche zum Nachdenken.

praktische Überlegungen

Was gefällt mir an meiner Arbeit und werden meine Wünsche erfüllt?
Brauche ich überhaupt Arbeit als sinnvolle Tätigkeit?

  • Ein Idealist würde vielleicht die Selbstentfaltung nennen
  • Einem Materialisten reicht ein gutes Gehalt.
  • Der Zyniker würde sich fragen, was Vergnügen und Arbeit miteinander zu tun haben
  • Einem Positivisten reicht ein gutes Gespräch in der Kaffeepause.
  • Ein Träumer wurde sich immer wieder die ideale Arbeit vorstellen, aber ihm fehlt den Mut zu handeln

→ Jeder findet vielleicht Aspekte dieser Stereotypen in sich und seinem Freundeskreis wieder

© Timo ten Barge [05.02.2015]