Julie ist eigentlich ganz glücklich. Sie ist neu in der Stadt, geht voll auf in ihrer Arbeit und hat eine schöne neue Wohnung. Wieso spürt sie trotzdem, dass da etwas nicht stimmt? Da sie privat nicht wirklich zufrieden ist, leistet sie um so mehr in der Arbeit, und das Lob und die Anerkennung, die sie dafür bekommt, tun ihr eine Weile gut.

Mit der Zeit wird es jedoch zur Selbstverständlichkeit, dass sie immer mehr leistet, ohne dass es noch wirklich honoriert wird. Nach und nach fühlt sie sich seelisch und körperlich ausgelaugt. Sie hat Probleme, kreativ zu denken, was eigentlich immer ihre Stärke war. Sie wirkt eher reaktiv und ideenlos. Zusätzlich nimmt sie nur noch negative Emotionen wahr und sieht, wie das Leben an ihr vorbeizieht …

Erklärung Burnout

Beim Burnout-Syndrom handelt es sich um eine Art der körperlichen, geistigen und emotionalen Erschöpfung, entstanden durch andauernden Disstress im Beruf. Betroffene sind über einen  längeren Zeitraum den beruflichen Anforderungen nicht mehr gewachsen und haben zunehmend nicht mehr genügend Energie, um angemessen zu funktionieren.

Nach und nach entwickeln sie eine Abneigung gegenüber der Arbeit und gehen zu Kollegen und Vorgesetzten auf Distanz.  In einer Burnout-Phase wächst das Gefühl, weniger kompetent zu sein, wodurch das eigene Selbstwertgefühl immer weiter sinkt. Es folgen Perspektivlosigkeit, innere Leere und Sinnverlust. Ein Burnout gipfelt oft in einem Nervenzusammenbruch.

 

3 Merkmale für einen Burnout

1. Erschöpfung

2. fehlendes Interesse an Arbeit und Kollegen

3. Leistungseinbruch

 

Unterschied Burnout – Depression

Ein Burnout ist eher eine ‘Energiestörung’, eine Depression grundsätzlich eine ‘Stimmungsstörung’. Jemand, der depressiv ist, hat psychosomatische Störungen, ist freudlos, verzweifelt, hat keinen Antrieb mehr und leidet unter Interessenverlust.

Jemand, der unter Burnout-Symptomen leidet, fühlt sich seelisch und körperlich ausgelaugt, was eher beruflich bedingt ist. Anfänglich verspürt er oft ein Übermaß an Energie und verausgabt sich dann nach und nach.

 

Ursachen

  • fehlende Wertschätzung an der Arbeit
  • Überforderung und Dauerstress (Wut und Ärger)
  • fehlende Ruhephasen
  • schlechtes Zeitmanagement
  • Probleme beim Delegieren (schlechte Kommunikation)
  • Probleme, Nein zu sagen
  • Wunsch nach zu viel Kontrolle und Verantwortung
  • Angst, Fehler zu machen ungelöste Konflikte mit Kollegen und Vorgesetzten
  • Verkennung eigener Werte und Ziele
  • negatives Selbstwertgefühl

 

Energiespender

  • Erleben eines „Flows“ (Zustand zwischen Über- und Unterforderung)
  • Wertschätzung und Anerkennung von Kollegen und Vorgesetzten (Ich-Botschaften)
  • klare Vorstellungen und Zielvorgaben an der Arbeit
  • Vermittlung von Werten
  • die Freiheit, seine Zeit selbst einzuteilen und Beruf und Familie aufeinander abzustimmen

 

Energieräuber

  • Konflikte an der Arbeit
  • oberflächlicher Smalltalk
  • hoher Arbeitsdruck → Stress (Überforderung)
  • niedriger Arbeitsdruck → Langeweile (Unterforderung)
  • fehlendes positives Feedback von Kollegen oder Vorgesetzten
  • fehlender Zugang zu (positiven) Emotionen

 

Mittel gegen einen Burnout

Dem Arbeitspsychologen Wilmar Schauffeli zufolge ist die absolute Hingabe für etwas das beste Rezept gegen einen Burnout. Er nennt dies „Bauch“-Motivation und meint damit einen Antrieb, der von innen kommt.

Seine Philosophie (Formel) lautet: Begeisterung = Energie-Geladenheit + Involviertheit + Aufgehen in der Arbeit („Flow“)

 

Arbeit mit dem Life Coach

In dem Beispiel vom Anfang wird klar, dass ein Burnout nicht in eine einfache Formel zu pressen ist. Es gibt viele Faktoren, die dabei eine Rolle spielen. Ein Life Coach muss die Zusammenhänge zwischen ihnen betrachten.

Wer zum Beispiel wegen eines Jobs neu in einer Stadt ist, hat anfänglich oft wenig Freunde und viele Kollegen. Die Arbeit verlagert sich so unter Umständen in die Freizeit. Julie hat zudem wichtige Säulen ihres Privatlebens vernachlässigt: Die persönliche Freiheit, das selbstgesteuerte Leben und das Pflegen von alten Freundschaften.

 

Herausfinden, was wirklich motiviert

Eine Voraussetzung für die erfolgreiche Suche nach Lebensmotiven und Lebenszielen ist die Balance zwischen Arbeit und Freizeit. Wenn man außerdem die eigenen Lieferanten von Begeisterung und Energie kennt, kann man sich zielgerichteter verhalten.

 

Tipps

  1. Den Selbstoptimierungswahn kritisch sehen → Er fördert oft eher Stress, als Leistung (das Selbstverständnis)
  2. Erkennen und akzeptieren, dass man unter einem Burnout leidet und wenn nötig Hilfe in Anspruch nehmen → feststellen, in welcher Phase man sich befindet und einen Life Coach oder Psychologen aufsuchen
  3. Eine Übersicht von Energieräubern und Energiespendern erstellen → (zusammen mit einem Coach) eine Strategie für mehr Spaß und Entspannung entwickeln
  4. Ein tägliches Ritual zur Regeneration einführen → eine Routine braucht etwa drei Wochen, um zur Gewohnheit zu werden
  5. Herausfinden, welche Glaubenssätze Druck verursachen, und diese kritisch hinterfragen → “Ich darf keine Fehler machen.” (= Perfektionismus), “Ich kann jetzt nicht Nein sagen.” (= Helfersyndrom)
  6. Selbst-“Pflege” betreiben →  Werte und Ziele neu betrachten
  7. Beziehungen pflegen → Glück und Zufriedenheit sind abhängig von intakten Beziehungen Sich umorientieren, wenn das Arbeitsklima über längere Zeit hinweg schlecht ist (Berufswechsel)
  8. Sport treiben und sich gesund ernähren → siehe Punkt 1 (Selbstoptimierungswahn vermeiden)

 

© Timo ten Barge [15.09.2018]