“Ich hatte das perfekte Leben”, so Renata, die zu mir zum Life Coaching kam. Sie erzählte, dass ihr ihre Leichtigkeit vor einiger Zeit abhanden gekommen war. Sie erinnerte sich mit Wehmut an ihre Studentenzeit zurück, die zwar chaotisch und vor allem gegen Ende ziemlich anstrengend, aber insgesamt eine wunderbare Zeit gewesen war. Über Glück hatte sie damals nicht viel nachgedacht, sie war einfach glücklich gewesen.

Mittlerweile hat sie einen Job, mit dem sie recht zufrieden ist, einen festen Partner und auch genügend Freunde. Wie kann es daher sein, dass sie jetzt kein Glück spürt? Am Wochenende versucht sie, so viel wie möglich zu unternehmen. Das Smartphone hat sie immer in Reichweite, damit sie nichts verpasst. Obwohl eigentlich alle Voraussetzungen dafür da sind, fehlt ihr irgendwas. Sie spürt weder Glück noch Leichtigkeit und ist stattdessen schon vor der Arbeit ziemlich erschöpft. Niedergeschlagen und ratlos fragt sie mich: “Wie kann ich dieses glückliche, unbesorgte Lebensgefühl zurückfinden?”

Analyse Life Coach

Als Life Coach ist es wichtig, sich erst mal einen Überblick zu verschaffen. Das, was Renata in ihrer Studentenzeit gespürt hat, war mit Sicherheit Glück. Das, was ihr jetzt fehlt, ist aber eher der Sinn. Ein sinnvolles Leben entsteht, wenn ich in etwa weiß, wohin es mit mir in den unterschiedlichen Lebensbreichen geht.

Renata ist in diesem neuen Lebensbereich noch ganz am Anfang. Sie ist erst seit einem Jahr mit ihrem Freund zusammen und die beiden haben noch keine konkreten (Familien-) Pläne. Im Job muss sie sich ebenfalls noch zurecht finden und kann noch nicht einschätzen, ob diese Arbeit genau das ist, was sie will.  Das Problem, erstmal braucht Sie Geduld und innere Ruhe. Das was Sie vor allem belastet ist  der innere Kritiker.

Mittlerweile versucht sie jedoch, dem Glück hinterherzujagen, was sehr frustrierend für sie ist. Ein Nebeneffekt von diesem Streben nach Glück is das sogenannte “Self-Monitoring”, d.h. sie fragt sich immer wieder: “Bin ich glücklich?” Weil das Glück ausbleibt, grübelt sie oft und verlangt zurück nach vergangenen Zeiten.

Hilfestellung Life Coach

Renatas Anliegen “Wie werde ich glücklich?” wird nach einer Session umgeändert in “Wie lebe ich ein sinnvolles Leben mit möglichst vielen Glücksmomente?”

Sie fängt an praktische Rituale umzusetzten. Sie beginnt jetzt ihren Tag viel ruhiger, ohne Smartphone, und schließt ihn am Abend mit einen Tagesrückblick ab. Dabei setzt sie sich aktiv mit ihren positiven Emotionen auseinander. Seit kurzem schreibt sie außerdem ihre Erfahrungen in einer Art Dankbarkeits-Tagebuch nieder.

Ihr Smartphone benutzt sie nur noch zu festen Zeiten, oft stellt sie es leise. Sie weiß inzwischen besser, was bei ihr Glück hervorruft, und hat sich eine Glückskollage gebastelt. Mittlerweile schätzt sie innere Zufriedenheit mehr als Glück.

Zwischendurch nimmt sie sich immer wieder bewusst Zeit, um über sich selbst nachzudenken, und jagt dem Glück nicht mehr hinterher. Dieses Reflektieren ist neu für sie und macht sie gelassener. Sie hat begriffen, dass Ziele zu finden, Werte zu verinnerlichen und Dankbarkeit zu praktizieren etwas mit Glück zu tun hat.

Was genau ist Glück?

In der Psychologie wird Glück als subjektives Wohlbefinden betrachtet, als das selbst wahrgenommene Gefühl des Glücks im Leben. Dieses Glück ist immer mit dem Augenblick, in dem es erlebt wird, verknüpft, es ist vorübergehend.

Häufig wird noch eine Unterscheidung vorgenommen, nämlich zwischen dem:

1) Zufriedenheitsgrad (z.B.: Wie zufrieden bin ich mit meiner jetzigen Arbeit oder mit meinem jetzigen Partner?)

2) emotionell Erlebtem (z.B.: Was habe ich diese oder letzte Woche an Glück, Freude oder Gelassenheit verspürt und in welche Intensität?)

Beim Life Coaching spüren wir der Frage nach, wie es gelingen kann, sich gut zu fühlen und gut zu funktionieren. Anders gesagt, sich angemessen in den unterschiedlichen Lebensbreichen zu verhalten. Um das zu erreichen, sind sowohl psychologische als auch philosophische Ansätze nutzlich. Beide werden im Life Coaching angewendet.

Außerdem erfolgt eine Unterscheidung zwischen Wohlfühl-Glück und Werte-Glück, da das Ausrichten von Werten auf Ziele ein fester Bestandteil des Coachings ist.

1) Werteglück: Dabei geht es um das sogenannte “Erfüllte Leben” (das in der Philosophie “eudamonia” genannte wird). Im Blick ist dabei das, was einem längerfristig Glück verschafft. Dieses längerfristige Glück kann man auch mit Sinn übersetzen.

(z.B.: eine Arbeit mit Hingabe erledigen oder ein tiefgehendes Gespräch mit einem guten Freund führen)

2) Wohlfühlglück: Dabei geht es um ein eher hedonisches Leben, das einem kurzfristiges Vergnügen verschafft.

(z.B.: Shoppen oder schön essen gehen)

Weder das eine noch das andere Glück ist besser. Oft geht es auch einfach darum, in welcher Lebensphase sich jemand gerade befindet. Junge Menschen ziehen vielleicht das Wohlfühlglück vor und Eltern eher das Werteglück. Manchen finden wahrscheinlich, dass es ohnehin auf die Balance ankommt.

Wer läuft in sein Unglück?

  • wer ohne Ziele ist (Nur Teenager kommen vielleicht eine Zeit lang ohne aus.)
  • wer sich ständig mit anderen vergleicht (An sich sind Vergleiche nicht schlimm, wichtig ist aber, was wir mit dem Ergebnis machen. Jemand der ein spannendes Leben führt kann z.B. als Vorbild gelten. Das abenteuerliche, erzählerische kann inspirierend wirken.
  • Wer einen hohen Selbstwert besitzt, dem schadet ein solches Vergleichen meist nicht.)
  • wer leidensfähig ist und in seinem Job bleibt, obwohl der ihm seit Jahren kein Spaß mehr macht (Wer dank eines ungeliebten Beruf hingegen in der Lage ist, seine Freizeit zufriedenstellend zu gestalten, sollte aber durchaus auch überlegen, diesen Beruf zu behalten.)
  • wer seine Wut auf sich, andere und die Welt immer nur runterschluckt (Wut zu äußern ist wichtig, in angemessener Form und bezogen auf die richtige Situation kann sie hilfreich sein.)
  • wer cooles Auftreten mit Authentizität verwechselt (Aber auch der Coole hat manchmal einen Vorteil, denn wer immer seine Emotionen im Griff hat, kann auch die eine oder andere schwierige Situation meistern.)
  • wer seine Stärken nicht kennt und zu viel auf seine Schwächen fokussiert ist (Allerdings kann man seine Stärken auch unbewusst leben.) – wer Schüchternheit als unüberwindbar betrachtet (Schüchternheit ist keine Krankheit, wer zielführend mit ihr umgeht, kann durchaus glücklich sein.)
  • wer fremdgesteuert lebt und sich mit Arbeit überhäuft (Viel zu arbeiten ist nicht immer schlimm. Es gibt auch positiven Stress. Schädlich wird das Ganze, wann man über lange Zeit hinweg trotz negativer Gefühle zu viel arbeitet. Dann droht ein Burnout, oder eine Depression, also möglicherweise Psychotherapie.
  • wer Konflikten immer aus dem Weg geht (Manchen Konflikten kann man durchaus ausweichen, auf Dauer jedoch entsteht so eine Harmoniebedürftigkeit, die schädigend ist.)
  • wer nur mit “Du-Botschaften” kommuniziert (Ganz ohne “Du-Botschaften” kommt wohl niemand aus, zu viele davon schaden jedoch einer Beziehung.)
  • wer verzweifelt auf Anerkennung wartet (Darauf zu hoffen, ist nicht schlimm, wenn auch die Selbstanerkennung nicht ausbleibt.)
  • wer Perfektionistisch ist (Das dürfen nur Chirurgen sein.)

Wer findet sein Glück?

  • wer seine Werte auf sein Lebensziele ausrichtet – wer seinen Selbstwert steigert, durch Selbsverwirklichung und weniger durch Vergleiche mit anderen
  • wer Mut zeigt und den alten Job verlässt, um sich etwas zu suchen, das ihn mehr erfüllt
  • wer seine Wut, seinen Ärger und andere negative Emotionen regulieren kann
  • wer authentisch ist, sich also nicht von der Außenwelt bestimmen lässt, sondern von seinen eigenen Gedanken, Gefühlen und Bedürfnissen
  • wer seine Stärken kennt und weiß, wie er sie einsetzen kann
  • wer es schafft, mit kleinen Schritten sein Schüchternheit zu überwinden, sich rhetorisch etwas verbessert.
  • wer sich bei der Arbeit nicht zu sehr verausgabt und seine Grenzen kennt
  • wer Konflikte zielführend angeht und sich Selbst-Anerkennung schenkt
  • wer mit Ich-Botschaften kommuniziert und so Nähe, Vertrauen und Verständnis schafft
  • wer frei und selbstbestimmt lebt und sich nicht vom Lob der anderen abhängig macht
  • wer über eine Imperfektionstoleranz verfügt und weiß, dass es gerade das Unvollkommene ist, was den Menschen ausmacht.
    (Oder wie die Psychologin Brene Brown meint: “Verletzlichkeit ist der Geburtsort von Innovation, Kreativität und Veränderung.”)