Unterschied zwischen Anerkennung und Lob

Anerkennung ist das Gefühl, wahrgenommen, wertgeschätzt und sozial akzeptiert zu werden. Falls es Mangelware ist, fühlen wir uns nicht mehr Teil der sozialen Welt. Wenn wir viel Lob und Zuspruch bekommen, fühlen wir uns motivierter und selbstsicherer.

Lob ist meistens etwas konkreter als Anerkennung und bezieht sich nur auf einen Teil der Person, es bezieht sich eher auf die Handlungsebene im Sinne von “gut gemacht” und ist etwas weniger umfassend als Anerkennung.

Der Soziologe Maslov sieht in seiner Bedürfnisspiramide die Anerkennung ganz oben noch vor sozialen Bedürfnissen wie Liebe und Freundschaft. Nur die Selbstverwirklichung steht noch darüber.

Die Anerkennung hat sowohl was mit Selbstakzeptanz zu tun – „Wie stehe ich zu mir selbst?“ – als auch mit einem leistungsbezogenen Selbstwert – „Was kann ich gut?“ Es ist nicht nur wichtig, wie ich zu mir selbst stehe, wie es um meinen emotionalen Selbstwert bestellt ist, sondern auch wie hoch ich meine Kompetenzen, Fähigkeiten und meine Stärken einschätze.

Anerkennung bezieht sich also auf die ganze Person, auf die Seins-Ebene. Deswegen ist ein Mangel daran für manche sogar ein Grund, den Job zu wechseln.

Anerkennung und Perfektionismus

Die erste Anerkennung im Leben bekommen wir von unseren  Eltern allein dadurch, dass wir gewünscht sind. Im Idealfall geben einem die Eltern das Gefühl wichtig zu sein, unabhängig vom eigenen Können.

Das passiert vor allem, wenn Kinder schon früh für ihre Anstrengungen und Leistungen gelobt werden und weniger für ihre Intelligenz oder ihr Talent. Wer schon früh für Übung und Ausdauer gelobt wird, steigert dadurch sein Selbstwertgefühl. Es glaubt daran, etwas aus eigener Kraft erreichen zu können und schöpferisch zu sein.

Carol Dweck, Experte für Motivationspsychologie, nennt dies “growt mindset”. Dieses dynamische Selbstbild hilft uns, uns durch eigene Anstrengungen weiterzuentwickeln, dadurch Selbstvertrauen aufzubauen, und seine Ziele zu erreichen.

Negative Glaubenssätze wie “Das schaffe ich nie” oder “Andere können das besser” wollen dagegen betonen, dass Menschen mit bestimmten Fähigkeiten geboren werden, also privilegiert sind. Sie fördern ein statisches Selbstbild, ein “Fixed mindset”.

Ein zu großer Fokus auf Talent und Intelligenz kann also dazu führen, dass ein Kind alles tut, um vorformulierten Ansprüchen zu entsprechen und um so immer wieder Anerkennung zu bekommen.

Aus diesen Kindern können später Perfektionisten werden, die nie genug Lob und Zuspruch bekommen können. Ihr Anerkennungsbedürfnis macht sie abhängig und bewirkt ein niedriges Selbstwertgefühl, weil sie aus eigener Sicht nie genug Leistung erbringen.

5 Tipps für mehr Anerkennung

-> indem man selbst Anerkennung und Wertschätzung übermittelt

  1. Den Unterschied zwischen Anerkennung und Lob kennen und wissen, wann man was einsetzt
  2. Aufrichtig handeln: Sprache, Mimik und Gestik müssen übereinstimmen. Die Körpersprache lügt nicht.
  3. Persönlich sprechen: Die Anerkennung oder das Lob müssen die Person in ihrer Einzigartigkeit auszeichnen, sie sollen nicht willkürlich wirken.
  4. Häufigkeit:Die Wertschätzung soll regelmäßig ausgesprochen werden und kann am einfachsten in Form von aufrechtem Interesse gezeigt werden.
  5. Eher emotional als argumentativ betonen: Gefühle haben eine intensivere und nachhaltigere Wirkung als ausgesprochene Gedanken.

© Timo ten Barge [31.10. 2015]