Zoe kommt aus den Philippinen. Sie bucht ein Coaching und hat zwei Themen und ein deutliches Ziel. Sie möchte resilienter werden. Doch was Resilienz genau ist, weiß sie nicht. „So etwas wie innere Stärke“, meint sie ein bisschen verunsichert und hat damit den Begriff Resilienz ziemlich genau beschrieben.

 

Berufliches Anliegen

Ihr erstes Thema betrifft die Tatsache, dass sie immer noch nicht ganz in Deutschland angekommen ist. Das zweite Thema betrifft eher die verbale Resilienz. Sie möchte lernen, wie sie sich besser mit Worten wehren kann. Zoe ist frisch verheiratet und vor einem Jahr von den Philippinen nach Deutschland gezogen. Dort hat sie einen guten Job als Webdesignerin aufgegeben. Auch hat sie viele Freunde und liebevolle Eltern zurückgelassen.

Hier in Deutschland arbeitet sie jetzt in einem Café. Der Job ist nicht verkehrt, aber sie muss viele Überstunden machen. Ihr Chef verlangt von ihr, dass sie immer bereit ist einzuspringen, wenn andere Kollegen nicht können. Deshalb hat sie wenig Zeit für sich. So kann sie ihren Urlaub nicht richtig planen.

Wünsche und Bedürfnisse

Am liebsten möchte sie im Sommer auf die Philippinen. Generell vermisst sie die Zufriedenheit, die sie in der Heimat meist verspürt hat, sowohl bei der Arbeit als auch zu Hause. Dort konnte sie Einfluss auf ihr Leben nehmen und hatte dabei ein gutes Gefühl.

Ihrer Familie und ihren Freunden auf den Philippinen erzählt sie immer nur die guten Nachrichten. Alles Schlechte lässt sie weg, weil sie keine Schwäche zeigen möchte. In ihrem Heimatdorf ist sie eine Vorbildfigur –diejenige, die in einem wohlhabenden Land ihren Weg geht. Jeder schaut zu ihr auf.

 

Privates Anliegen

Zoes zweites Problemfeld liegt im privaten Bereich. Sie hat erfolgreich einen Deutschkurs absolviert und nimmt nun noch an einem Sprachaustausch teil. Sie trifft sich mit einer sogenannten Tandem- Partnerin, der sie hilft, ihr Englisch zu verbessern, während diese mit Zoe weiter Deutsch übt. Nach einer Weile beginnt ihre Tandem-Partnerin Mareike jedoch, Zoe als enge Freundin zu betrachten und möchte gerne mehr mit ihr unternehmen. Zoe weiß nicht richtig, wie sie diese Wünsche abwehren kann, ohne Mareike zu verletzen.

Irgendwann lädt sich Mareike auch noch mehr oder weniger selbst zu einem Treffen ein, dass eigentlich nur für Zoe und ihre philippinischen Freundinnen geplant war. Der Abend wird für Zoe unangenehm und sie verspürt eine große Wut auf Mareike. Im Nachhinein fragt sie sich, was die beste Reaktion gewesen wäre und wie sie sich einmal ehrlich mit Mareike aussprechen könnte.

 

ÜBERSICHT BLOG

1) Hilfestellung Life Coach
2) Geschichte des Resilienzbegriffes
3) Resilienz in der Psychologie
4) Fazit: Resilienz ist erlernbar
5) Bin ich Resilient? Auswertung des 10-Punkte-Tests
6) Workshop Resilienz

 

1) Hilfestellung durch den Life Coach

 

Anayse berufliches Anliegen

Aus Zoes Bericht wird klar, dass sie ihre Zeit auf den Philippinen als resilient erfahren hat. Dort spürte sie eine deutliche Zufriedenheit und konnte Einfluss auf ihr Leben nehmen, d.h. positiv darauf einwirken. So nennt sie selbst zwei wichtige Faktoren für Resilienz, nämlich Optimismus und Selbstwirksamkeit.

Zoe ist ein wenig überrascht, denn manches hat sie nicht mit Resilienz verbunden. Unter innerer Stärke versteht sie eher, dass es wichtig ist, cool zu bleiben und negative Erfahrungen gut wegzustecken. Dass Resilienz im Gegenteil aber auch heißt, dass man sich Hilfe sucht und offen über Bedürfnisse und Gefühle spricht, ist neu und gleichzeitig erleichternd für sie.

 

Fortschritte

Nach unserem Gespräch hat sie ihrem Chef erklärt, dass der Sommerurlaub sehr wichtig für sie ist. Er war darüber nicht erfreut, hat aber schließlich eingewilligt. Später traut sie sich auch, nein zu sagen, wenn es um Überstunden geht. Sie hat verstanden, dass ihr Chef und ihre Kollegen sie schätzen und es akzeptierten, auch wenn sie nicht jedes Mal einspringt.

Außerdem hat sie in ihrer Freizeit angefangen, sich wieder mit Webdesign zu beschäftigen, ihrer eigentlichen Berufung. Sie strebt noch in diesem Jahr einen Berufswechsel an und möchte wieder als Webdesignerin arbeiten. Sie hat verstanden, dass es einerseits etwas Zeit erfordert, sich in eine neue Kultur einzugewöhnen, dass es andererseits aber ohne Selbstbestimmung auch nicht geht.

 

Analyse privates Anliegen

Auch das zweite Problemfeld konnten wir abhaken. Wir haben darüber gesprochen, wie wichtig es ist, auf die eigenen Bedürfnisse zu schauen. Dazu gehört, dass man Grenzen setzt und Konflikte nicht vermeidet. Zoe fühlte sich rhetorisch nicht in der Lage, die Konflikte auszutragen.

Wir fanden aber eine Lösung. Zoe hat sich bei Mareike für den Sprach-Austausch aufrichtig bedankt. Den Vorschlag von Mareike für ein weiteres Treffen hat sie jedoch freundlich und ohne die Nennung von Gründen abgesagt. Zoe hat eingesehen, wie wichtig es ihr ist, dass niemand ihre Werte verletzt. Dafür muss sie auf ihre Intuition hören und lernen, in bestimmten Fällen freundlich nein zu sagen. Dadurch hat sich auch ihre innere Wut gelegt.

Auch ihre Familie und Freunde in den Philippinen haben mittlerweile bemerkt, dass sie jetzt viel offener, entspannter und authentischer ist. Zoe gibt mehr von sich preis und kann auch wieder mehr auf die Probleme und Sorgen von anderen eingehen. Durch den Ausbau ihrer Resilienz nimmt Zoe auch ihre Stärken besser wahr, zu denen Empathiefähigkeit und Netzwerkorientierung gehören.

 

2) Zur Geschichte des Resilienzbegriffs

1971 legte Emmy Werner ihre sogenannte „Kauai“-Studie vor, die als eine Pionierarbeit zum Thema Resilienz in der Psychologie gilt.

Emmy Werner führte ab 1955 auf einer hawaiianischen Insel eine Langschnittstudie durch, bei der über 40 Jahre lang fast 700 Kindern wissenschaftlich begleitet wurden. Ihr Lebensweg wurde sozusagen dokumentiert. Ein Drittel dieser Kinder wuchs unter schwierigen Umständen auf. Die Prognose sah vor, dass sie zu eher unglücklichen Erwachsenen heranwachsen würden.

 

Erfolg trotz widriger Umstände

So schaffte es ein Drittel dieser „Problem-Gruppe“, zu zufriedenen und glücklichen Erwachsenen heranzuwachsen. Sie hatten Erfolg und handelten selbstbestimmt. Ihr Glück beruhte auf klar umrissenen Lebenszielen und einem gesunden Selbstverständnis.

Es gibt einige Faktoren, die vermutlich zur Resilienz in dieser Gruppe geführt haben. Auch heute werden sie noch als wirksame Schutzfaktoren in Resilienz-Trainings hervorgehoben:

1. intakte Bezugspersonen/intaktes Netzwerk
2. Übernahme von Verantwortung (Hilfeleistung bei Geschwistern oder in der Gemeinschaft)
3. soziale Kompetenzen (soziale Intelligenz in der Kommunikation)
4. bewusste Fokussierung auf Stärken (Nutzung von Ressourcen)

 

3) Die Resilienz in der Psychologie heute

Resilienz ist die Fähigkeit, auch in Zeiten von Stress zielführend mit bestimmten belastenden Situationen umzugehen. Das bedeutet, dass man in einer Krise nicht in Panik verfällt oder vor Angst gelähmt ist. Eine resiliente Person kann auf bestimmte Schutzfaktoren zurückgreifen.

 

Resilienz ist seelische Widerstandskraft, mit der es gelingt, belastende Lebensumstände zu meistern.

Resiliente Menschen sehen generell Probleme eher als Herausforderungen an. Auch erholen sie sich seelisch und körperlich schneller von belastenden Erfahrungen. Eine resiliente Person kann mental und emotional schnell wieder in den Vor-Krisen-Zustand zurückkehren.

 

Welche Situationen werden als belastend erfahren?

– der Verlust eines Freundes oder eines Familienmitgliedes
– Beziehungsprobleme oder sogar eine neue Beziehung
– Leistungsdruck und der unerfüllte Wunsch nach Anerkennung
– ein Umzug
– berufliche Neuorientierung oder auch eine Beförderung
– ein Burnout

 

Selbstwirksamkeit

Wer resilient ist, agiert aus einem Gefühl von Selbstwirksamkeit heraus. Das heißt, dass er auf seine Fähigkeiten vertraut und zuversichtlich ist, trotz aller Widrigkeiten bestimmte Ziele zu erreichen.

Sich selbstwirksam zu erleben, ist aber nur einer von vielen Schutzfaktoren, die einem das Gefühl geben, positiv Einfluss auf das eigene Leben auszuüben. Allgemein sind die Schutzfaktoren im Grunde Ressourcen wie: erlernte Fähigkeiten, besondere Stärken, positive Einstellungen (Mindset). Auch ein intaktes soziales Umfeld zählt dazu.

Diese Ressourcen (Quellen) können in einer Psychotherapie oder gemeinsam mit einem Life Coach wiederentdeckt und aktiviert werden. Schutzfaktoren (Ressourcen) sind besonders wertvoll, wenn wir resilienter werden wollen.

 

Schutzfaktoren

1. Selbstwert und Selbstwahrnehmung: schafft Bedingungen für Resilienz
2. Selbswirksamkeit: die Erfahrung, dass wir Einfluss auf unser Leben haben
3. Selbstbestimmung: das Wiedererlangen über die Kontrolle im Leben
4. Akzeptanz: das bewusste Verstehen, dass wir nicht alles kontrollieren können
5. Kommunikationsfähigkeit: hilft bei Konfliktbewältigung
6. Empathiefähigkeit: Stärke durch sogenannte Social Skills
7. Coping: Stressmanagement, das Emotionen reguliert
8. Optimismus: lehrt zielführend mit Erfolgen und Misserfolgen umzugehen
9. Lebensfreude: Werte wie Dankbarkeit und Zufriedenheit wirken ausgleichend
10. Netzwerkorientierung:schaffen von Smalltalk zu vertiefende Gespräche (Sinnerfüllung)

 

4) Fazit

 

Den resilienten Menschen gibt es nicht

Resilienz ist kein Allheilmittel gegen sämtliche Krisen. Auch sind resiliente Personen nicht unverwundbar oder emotionslos. Den resilienten Menschen schlechthin gibt es schlichtweg nicht. Jeder Mensch ist in seinem Leben Risikofaktoren ausgesetzt.

Beispiele dafür sind: Trauerfälle, fehlende soziale Kontakte, Einsamkeit, Mobbing oder Arbeitslosigkeit. Entscheidend ist die Anzahl und die Schwere der Risikofaktoren einerseits und die Kombination an Schutzfaktoren anderseits.

Wiederstandfähige Menschen können auf wechselnde Situationen flexibler reagieren. Sie schaffen es, den Belastungsdruck zu meistern, weil sie auf mindestens einige Schutzfaktoren zurückgreifen können.

 

Widerstandsfähigkeit ist erlernbar

Ungünstige (Start-)Voraussetzungen führen für Kinder und junge Erwachsenen nicht notwendigerweise zu Misserfolg und Unglück. Resiliente Kinder verfügen über bestimmte Eigenschaften, die sie davor bewahren, an schwierigen Umständen zu zerbrechen. Im Gegenteil, mit Hilfe verschiedener Schutzfaktoren können sie sogar über sich hinauswachsen. Resilienz ist also nicht angeboren, sondern erlernbar. Auch Erwachsene sind dazu noch problemlos in der Lage.

 

5) Bin ich resilient? – Der 10-Punkte-Test

(1) Ich fühle mich als Regisseur meines eigenen Lebens. Ich habe Ziele und weiß, welchen Weg ich einschlagen muss, um sie zu erreichen.
(2) Ich habe Freunde und Bekannte um mich, die mir guttun und die mich stützen, wenn es mir einmal nicht so gut geht.
(3) Bei Konflikten lasse ich mich nicht so schnell aus der Ruhe bringen, auch dann nicht, wenn es einmal stressiger zugeht.
(4) Wenn mal ein Projekt an der Arbeit schiefgeht, kann ich damit ziemlich schnell abschließen, schließlich gibt es neben Erfolgen immer auch immer Misserfolge.
(5) Ich schaffe es, auch in schwierigen Zeiten, auf meine Bedürfnisse zu hören
(6) Wenn es mal nicht so gut läuft, stehe ich trotzdem in einem guten Dialog mit mir selbst und bin nicht unnötig kritisch oder verzweifelt.
(7) Selbst wenn ich unter Stress stehe, gelingt es mir, anderen zugewandt zu sein. Ich teile mich mit und weise andere nicht ab.
(8) Ich gehe Konflikten nicht aus dem Weg. Dinge, die mich wirklich stören, spreche ich an.
(9) Wenn es mir mal nicht so gut geht, schaffe ich es, auf schöne Momente zurückzugreifen, die ich erlebt habe, und ich bin zuversichtlich, wieder solche Momente zu erleben.
(10) Ich vertraue au meine Talente und Fähigkeiten und weiß was ich kann.

 

Resilienz Test – Auswertung des 10-Punkte-Tests 

Sie haben weniger als 3 Fragen positiv beantwortet: Sie haben eine niedrige Belastbarkeit. Unter schwierigen Umständen könnten Sie eventuell in eine Lebenskrise geraten. Dann wäre es wichtig, sich rechtzeitig Hilfe zu holen.

Sie haben zwischen 3 und 7 Fragen positiv beantwortet: Sie haben eine eher durchschnittliche Belastbarkeit. Es würde sich lohnen, auch an anderen Schutzfaktoren zu arbeiten.

Sie haben mindesten 7 Fragen positiv beantwortet: Sie verfügen wahrscheinlich über genug Schutzfaktoren, um auch schwierige Situationen zu meistern.

 

6 Workshop Resilienz – mehr mentale Stärke

In dem Workshop wird klar wie man resilienter, also widerstandsfähiger wird.

Der Workshop legt den Fokus auf 3 wesentliche Faktoren, die mehr Widerstandsfähigkeit schaffen:

1. Höherer Selbstwert: Selbstwertgefühl verbessern
2. Selbstbestimmtes Leben: Wege aus der Fremdbestimmung finden
3. Intaktes soziales Umfeld: Social Skills verbessern

 

© Timo ten Barge [13.04.2022]