Scham im Beruf überwinden: 5 Strategien für mehr Selbstvertrauen

von | Arbeit und Zeitmanagement | 0 Kommentare

Mit einem nachdenklichen Ausdruck auf dem Gesicht betritt Angelina die erste Sitzung. Das Thema Scham im Beruf ist für sie allgegenwärtig, wie sich später deutlich zeigt.

 

Schamgefühl im Beruf

Als Assistentin der Restaurantleiterin fühlt sie sich oft unter Druck gesetzt, alles perfekt zu machen und stets ihre Fassade zu wahren. Das typische Schamgefühl, das Angelina oft spürt, tritt auf, wenn ein Kunde sich beschwert und sie nicht angemessen reagiert. Ihre Chefin bekommt dann meistens alles mit.

Als ich sie bitte, ihr Problem in Bezug auf Scham präzise zu beschreiben, veranschaulicht sie direkt zu Beginn ihre Gefühle mit den Worten:

„Ich hatte das Gefühl, dass sich alle Blicke auf mich richteten und ich mich vor Scham am liebsten unsichtbar gemacht hätte.“

In ihrer Rolle als Assistentin muss Angelina immer souverän und kompetent auftreten, um den Erwartungen ihrer Chefin und vor allem ihren eigenen überhöhten Erwartungen gerecht zu werden.

 

Schamgefühl privat

Privat scheint Angelina selbst weniger Probleme mit Scham zu haben, aber sie macht sich Sorgen über die Schwierigkeiten, die sie in der Kommunikation mit ihrem Freund erlebt.

Angelina erzählt von einem Vorfall, der sie besonders beschäftigt hat: Ihr Freund kehrte von einer Bergtour zurück, wirkte völlig erschöpft und ihr gegenüber sehr abweisend. Als sie nachfragte, wie die Tour war, wimmelte er ihre Fragen ab, wurde irgendwann sogar wütend.

Später erfuhr Angelina von seinem Kletterpartner, dass sie sich bei der Tour völlig überschätzt hatten und die Strecke viel zu anspruchsvoll und sogar gefährlich war. Das weckte in Angelina den Wunsch, dass ihr Freund offener über seine Gefühle und Herausforderungen sprechen sollte. Sie vermutet, dass hinter seiner Zurückhaltung das Gefühl von Scham steckt und vielleicht auch die Angst, als Mann Schwächen zu zeigen.

 

Inhalt

Text: Scham im Beruf überwinden: 5 Strategien für ein gestärktes Selbstvertrauen

  1. Scham im Beruf: Analyse Life Coaching
  2. Psychologie: Was ist Scham?
  3. Scham & Schuld: Vergleich
  4. Scham in der Kindheit
  5. Überwindung von Scham im Beruf: 5 Strategien

Scham im Beruf: Analyse Life Coach

 

Ziele:

1. Scham ablegen
2. Schlagfertiger werden
3. Beziehung zu ihrem Freund verbessern

In der ersten Sitzung schildert Angelina zwei prägende Ereignisse:

• Vergessene Sonderanfrage im Restaurant: Ein Gast mit Allergien erhielt falsches Essen, was Angelina stark beschämte.

• Mangelnde Schlagfertigkeit: Angelina fühlte sich unzulänglich, als sie auf Beschwerden eines schwierigen Gastes nicht angemessen reagieren konnte.

 

Scham im Beruf: Praktische Tools

 

1. Schamtagebuch führen und Fehlerbewältigung:

Das Ziel ist, dass Angelina ab jetzt ein Schamtagebuch führt. In diesem kann sie Situationen notieren, in denen sie Scham empfindet, und ihre Gedanken, Emotionen und körperlichen Reaktionen dazu festhalten. Durch gemeinsame Analysen in den Coaching-Sitzungen lernt sie, besser mit Fehlern umzugehen und ein positiveres Mindset zu entwickeln.

2. Kommunikative Fähigkeiten stärken durch Rollenspiele:

Angelina wird in Rollenspielen trainiert, um ihre Schlagfertigkeit zu verbessern und angemessen auf unerwartete Situationen zu reagieren. Dies ermöglicht ihr, souveräner, cooler und selbstbewusster in Gesprächen mit Kunden und Kollegen aufzutreten.

3. Authentische Kommunikation in Beziehungen fördern:

Angelina lernt, offen über ihre Gefühle und Bedürfnisse zu sprechen und ermutigt auch ihren Freund, ähnlich offen zu sein. Durch eine offene Kommunikation strebt sie eine tiefere Verbindung in ihrer Beziehung an.

 

Scham im Beruf: Fazit

Nach 8 Sitzungen kann Angelina dank Selbstreflexion und Schamtagebuch ihre Schamgefühle bewältigen. Die Rollenspiele stärken ihre Schlagfertigkeit, während die Förderung authentischer Kommunikation zu einer tieferen Beziehung mit ihrem Freund führt. Angelina erlebt eine bemerkenswerte Transformation im Umgang mit Scham.

 

Psychologie: Was ist Scham?

Scham entsteht, wenn wir versagen oder uns nicht zugehörig fühlen. Es hängt oft mit unerfüllten Erwartungen zusammen, sei es unsere eigenen oder die anderer an uns. Auch das Gefühl, jemanden im Stich gelassen zu haben oder im Stich gelassen zu werden, kann Scham auslösen.

Personen, die Schwierigkeiten haben, mit Scham umzugehen, reagieren oft aggressiv, wie Angelinas Freund, oder versuchen, ihren Selbstwert zu verteidigen, indem sie andere kritisieren. Andererseits können sie sich auch zurückziehen, ausweichen oder verstecken.

Scham ist ein intensives emotionales Erlebnis, das häufig mit dem Gefühl von Hilflosigkeit und Minderwertigkeit einhergeht.

Laut Brené Brown, einer angesehenen Psychologin auf diesem Gebiet, entsteht Scham, wenn wir glauben, dass wir grundlegend unwürdig oder nicht liebenswert sind. Das hat einen äußerst negativen Einfluss auf unser Selbstwertgefühl.

 

Scham im Beruf: Die Überwindung von Scham

Verletzlichkeit bezieht sich auf die Fähigkeit, sich den emotionalen Risiken und Unsicherheiten des Lebens offen und ehrlich zu stellen. Menschen, die sich dazu trauen, erleben oft positive emotionale Erfahrungen wie Liebe, Verbundenheit, Freude und Kreativität.

In ihrem Buch „The Power of Vulnerability“ erläutert Brené Brown, dass Scham entsteht, wenn wir das Gefühl haben, etwas falsch gemacht zu haben und deshalb keine Liebe verdienen. Die Überwindung von Scham erfordert Mut, sich verletzlich zu zeigen und den negativen Aspekt unseres Selbst zu enthüllen.

Letztendlich ermöglicht die Akzeptanz und Offenheit gegenüber unserer eigenen Verletzlichkeit eine tiefere Verbundenheit zu anderen und hilft uns dabei, die Scham zu überwinden.

 

Scham & Schuld: Vergleich

 

Scham und Schuld sind komplexe Emotionen, die manchmal miteinander verwechselt werden. Sie haben aber unterschiedliche Auswirkungen auf unser Selbstbild und unsere Handlungen.

Gemeinsamkeiten: moralische Verfehlungen

Sowohl Scham als auch Schuld treten auf, wenn wir das Gefühl haben, moralisch versagt zu haben oder soziale Normen verletzt zu haben. Beide Emotionen können uns unbehaglich machen und uns das Gefühl geben, für unser Verhalten verantwortlich zu sein.

 

Scham und Schuld: Auswirkung auf unseren Selbstwert

Die Psychologie-Professorin June Price Tangney hat in ihrer Studie „Shame and Guilt“ von 2002 einige interessante Erkenntnisse über Scham und Schuld herausgefunden:

1. Scham bringt negative Selbstbewertungen mit sich.
2. Schuld ist mit der Verantwortung für Handlungen verbunden.
Der große Unterschied zwischen Scham und Schuld liegt in ihrer Auswirkung auf unser Selbstbild.

Scham ist eine Art selbstkritische Emotion, die uns als Individuum als schlecht oder wertlos erscheinen lässt. Sie beeinflusst unser inneres Selbst und kann unser Selbstwertgefühl negativ beeinflussen.

Im Gegensatz dazu, bezieht sich Schuld mehr auf konkrete Handlungen und kann als Verantwortung für unsere Taten verstanden werden, ohne unbedingt unser gesamtes Selbstbild zu beeinträchtigen.

 

Scham im Beruf – Kurz gesagt:

Scham vermittelt einem: ich bin schlecht
Schuld sagt einem: Ich tat etwas Schlechtes

 

Scham in der Kindheit

Scham in der Kindheit wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst, wie Studien von Tangney und Dearing (2002) zeigen:

1. Kritische Erziehung: Lob und Anerkennung bei Geschwisterkindern können unterschiedlich ausfallen und Scham verursachen. Ein Kind kann sich minderwertig fühlen, wenn es als weniger begabt angesehen wird.

2. Soziale Vergleiche: Kinder, die sich ständig mit anderen vergleichen, können Scham empfinden, wenn sie sich als weniger kompetent einschätzen.

3. Unrealistische Erwartungen: Kinder, mit überhöhten Erwartungen an sich selbst, können Scham empfinden, wenn sie diesen nicht gerecht werden. Der Druck, perfekt sein zu wollen, kann zu einem erhöhten Schamgefühl führen.

 

5 Strategien zur Überwindung von Scham im Beruf

Die Überwindung von Scham ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem gesunden Selbstwertgefühl und emotionaler Stärke.
Unten werden 5 Strategien vorgestellt, die dazu dienen können, Scham zu bewältigen und ein glückliches Leben ermöglichen.

 

1. Rücksicht auf persönliche Grenzen nehmen:

Indem du die eigenen und auch persönlichen Grenzen anderer respektierst und achtest, kannst du Konflikte und Missverständnisse vermeiden, die zu Schamgefühlen führen könnten. Werte wie Respekt und Einfühlungsvermögen spielen hierbei eine entscheidende Rolle. Vor allem die eigene Selbstachtung ist wichtig.

Beispiel: Auch wenn es ungewöhnlich klingt, ist es ein Problem, Scham nicht zuzulassen und sich dementsprechend nicht abgrenzen zu können, wenn jemand uns beschämt hat. Im Life Coaching oder in der Psychotherapie kann jeder seine Selbstachtung zurückgewinnen. Die Abwehr von Scham kann also sehr problematisch sein.

 

2. Scham im Beruf – Realistische Erwartungen setzen:

Akzeptieren, dass niemand perfekt ist, und sich von unrealistischem Perfektionismus lösen. Durch realistischere Erwartungen und Lebensziele verringert man den Druck, ständig fehlerfrei sein zu müssen, und mindert dadurch das Auftreten von Scham.

Beispiel: Statt zu erwarten, dass jede Aufgabe perfekt sein muss, erkennt man an, dass es normal ist, kleine Unsicherheiten zu haben.

 

3. Peinlichkeit erleben – Achtsamkeit praktizieren:

Die Philosophie entwickeln, im gegenwärtigen Moment präsent zu sein, den schambeladene Gedanken zu erkennen, ohne ihn zu bewerten.

Beispiel: Während eines peinlichen Meetings praktiziert man Achtsamkeit, indem man die aufkommenden schambeladenen Gedanken erkennt und sie einfach beobachtet, ohne sich von ihnen überwältigen zu lassen.

 

4 Scham und Narzissmus: Umgang mit Kritik im Arbeitsumfeld

Um Scham hinter Narzissmus zu erkennen, ist es wichtig zu verstehen, dass narzisstische Menschen oft dazu neigen, Scham abzuwehren, indem sie sich gekränkt fühlen und andere angreifen.

Beispiel: Angenommen, jemand hat einen narzisstischen Chef: Es ist ratsam, Kritik nicht persönlich zu nehmen und sich nicht zu rechtfertigen oder offene Kritik zu äußern. In der Kommunikation ist es hilfreich, kurz und sachlich zu bleiben.

 

5 Scham im Beruf – Soziale Fertigkeiten trainieren:

Nutze gezielte Schulungen oder Rollenspiele, um deine sozialen Interaktionsfähigkeiten zu verbessern und deine Motivation zur Weiterentwicklung zu stärken. Durch das Training sozialer Fertigkeiten kannst du Unsicherheiten in sozialen Situationen reduzieren und dein Selbstvertrauen steigern.

Beispiel: In einem Workshop für soziale Fertigkeiten lernst du, Small Talk zu führen und dich souverän in Gruppen einzubringen.

 

© Timo ten Barge 15.03.24

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