„Als mein Kollege mir das an den Kopf geworfen hat, war ich erst mal sprachlos. Ich möchte unbedingt schlagfertiger werden“, erklärt Martin. „Ich habe mich machtlos und nichtig gefühlt. Am liebsten wäre ich im Boden versunken

.“ Der Kollege hatte nach Martins Präsentation einfach nur gesagt: „Was bitte war das denn?“

Darauf fand Martin auf die Schnelle keine passende Antwort. Er war sich bewusst, dass er tatsächlich eine schwache Präsentation abgeliefert hatte. Die Vorbereitungszeit war zu kurz gewesen. Mit diesem Angriff hatte er trotzdem nicht gerechnet. Vom Life Coach möchte er daher ein Tool, mit dem er in Zukunft perfekt kontern kann, am liebsten bei jeder Gelegenheit. Auch möchte er generell seine Kommunikationsfähigkeit verbessern und an seinem Selbstwert arbeiten.

 

Analyse Life Coach

Am Anfang der Session legen wir gemeinsam die Themenbereiche und die Ziele fest. Wir erarbeiten die Themen: SelbstwertGlaubenssätze und Schlagfertigkeit, begleitet von Übungen zu Körpersprache und Rhetorik.

 

Selbstwert 

Beim Thema Selbstwert fällt mir auf, dass Martin generell sehr empfindlich reagiert, wenn er an der Arbeit kritisiert wird. Er hat sehr hohe Ansprüche an sich selbst und bezieht seinen Selbstwert fast ausschließlich über seine Leistung. Nur dadurch meint er, die Anerkennung zu bekommen, die er so sehr braucht, um sich wertvoll und glücklich zu fühlen. Wenn dieses Lob und diese Anerkennung ausbleiben würden, wäre ein Berufswechsel der einzige Ausweg für ihn.

Beim Coaching beschäftigt sich Martin zum ersten Mal mit dem Thema Selbstwert. Er versteht, dass man nichts leisten muss, um wertvoll zu sein. Dieser neue Mindset macht ihm Mut. Sein Selbstwert steigert sich sichtbar, sobald wir beginnen wir seine eigentliche Werte und Stärken herauszuarbeiten.

 

Glaubenssätze

Bald kommt Martin einer Reihe perfektionistischer Glaubenssätze auf die Spur, die einen fordernden Charakter haben. Genau diese Glaubenssätze setzen ihn unter Druck. Wir schaffen es sie Glaubenssätze umzuformulieren und vor allem wertschätzende Beispiele zu finden. Das fördert seine Motivation, an dem Thema dran zu bleiben, und gibt ihn ein Gefühl von Selbsbestimmtheit und Freiheit.

 

Abwehrtechniken

Da jetzt einige Probleme überwunden wurden, können wir nach kurzer Zeit an Martins Hauptthema, der Schlagfertigkeit, arbeiten. Wir fangen an mit der Körperhaltung und einer speziellen Atemtechnik zur Beruhigung. Danach erarbeiten wir in einigen Rollenspielen fiktiven Szenarien.

Martin, der ein klassischer Konfliktvermeider ist, lernt, immer geschickter und cooler zu kontern. Am Ende macht es ihm sogar Spaß und schreibt sich noch für den Workshop ein. Er betrachtet die Gruppensituation als neue und spannende Herausforderung. Vor allem möchte er im Workshop weiter an seiner Körpersprache arbeiten und freut sich auf das Feedback der anderen.

 

Schlagfertigkeit

Am Beispiel Martins wird deutlich, dass es oft unzureichend ist, einfach eine auswendig gelernte Abwehrtechnik abzufeuern. Das wirkt nicht authentisch. Es ist wichtig, zuerst herauszufinden, wieso jemand z.B. mit Ohnmacht oder Wut reagiert. Erst wenn diese Gründe offengelegt sind, kann wirklich souverän und authentisch gekontert werden.

 

Was ist Schlagfertigkeit? 

 

Definition

Schlagfertig ist, wer auf eine Verbalattacke schnell, souverän, treffend – und im besten Fall humorvoll – reagiert.

Verbale Angriffe kommen fast immer unvorbereitet, deswegen ist es so schwer, schnell zu antworten, souverän zu bleiben und dabei nicht den Humor zu verlieren. Schnell zu antworten ist wichtig, weil sonst der Effekt verpufft.

Souverän zu bleiben heißt, dass mit ruhiger Stimme gesprochen wird und Mimik und Körpersprache zueinander passen. Humor zu zeigen, fordert allerdings etwas Übung. In jedem Fall steht fest, dass Schlagfertigkeit erlernbar ist. Aber wie kommt es, dass wir meist erst einmal sprachlos sind?

Die Kampf-oder-Flucht-Reaktion  

Wer keine Schlagfertigkeit besitzt, reagiert meistens hilflos auf verbale Angriffe. Erfolgt ein solcher Angriff, steigt der Stresspegel. Der Körper reagiert sofort, das Herz rast, die Pupillen sind geweitet und die Muskeln angespannt. Die Psychologie nennt dies eine sogenannte Kampf-oder-Flucht-Reaktion. Sie bewirkt, dass es unmöglich wird, klar zu denken oder zu handeln. Das Gehirn ist blockiert. Was bleibt, sind Ohnmacht und das Gefühl, überwältigt zu sein.

 

Entspannen und kurz antworten für Anfänger

Bei einem verbalen Angriff ist es deswegen wichtig, erst einmal kurz durchzuatmen und sich bereit zu machen, für eine minimale Abwehr. Das erfordert vor allem Mut von Menschen, die etwas schüchtern sind. Dabei ist in erster Linie gar nicht so wichtig, was man sagt. Eher geht es darum, dass etwas gesagt wird, im Idealfall ruhig ausgesprochen. Erstmal reicht ein „Okay“ oder ein „Interessant“. Sobald sich der Körper weiter beruhigt hat, kann ein aussagekräftigerer Statz folgen, zum Beispiel: „Was meinen sie damit?“ oder: „Was ist der Grund, dass sie versuchen, mich zu beleidigen?“

 

Konkrete Abwehrsätze, die die Schlagfertigkeit erhöhen  

Wer seine Schlagfertigkeit trainieren will, kann auf bestimmte eingeübte Sätze zurückgreifen. Immer gilt in jedem Fall: erst einmal durchatmen und ruhig bleiben. Mit einer durchdachten Antwort werden dem Angreifer deutliche Grenzen aufgesetzt. So steigert man das eigene Selbstvertrauen und erhöht seinen Selbstwert.

 

10 Konter, die immer funktionieren

Wenn einem jemand beispielsweise vor den Kopf wirft, man sei „inkompetent“ gibt es folgende Konter-Möglichkeiten:

 

Simple Konter

1) „Was meinen Sie/was meinst du damit?“ – Der andere muss sich erst einmal erklären.
2) „Was meinen Sie/was meinst du mit inkompetent?“ – Auch hier muss sich der andere erklären und man gewinnt Zeit.
3) „Das ist Ihre/deine Meinung!“ – Eine etwas defensive Antwort, aber fast immer einsetzbar.
4) „Vielen Dank für das Feedback.“ – Diese Reaktion wirkt souverän, wenn sie ruhig vorgetragen wird.

 

Konter, die mehr Mut erfordern

5) „Woher können Sie/kannst du das beurteilen?“ – Das ist ein starker Angriff. Der andere muss sich deutlich erklären.
6) „So, jetzt bin ich erst mal sprachlos.“ – Auch diese Reaktion wirkt souverän, wenn sie ruhig vorgetragen wird.
7) „Vielleicht möchten Sie/möchtest du Ihre/deine Meinung genauer erklären?“ – Auch bei einer diskriminierenden Bemerkung bietet sich dieser Satz an.

 

Gewagte Konter mit Ironie

8) „Und jetzt?“ – Ein eleganter Konter, auf den meist Stille folgt, die man aushalten können muss.
9) „Interessante Sichtweise!“ – Eine etwas absurde, aber überraschende Reaktion.
10) „Das ist noch milde ausgedrückt!“ – Danach kann eine Übertreibung folgen.

 

Die hohe Kunst der Schlagfertigkeit – Frank Zappa und Winston Churchill  

Schlagfertigkeit kann ironisch und humorvoll sein, ohne direkt zu beleidigen. Ein Beispiel ist der Wortwechsel zwischen Frank Zappa und einem konservativen Politiker und versehrten Kriegsveteran, der sich in den siebziger Jahren im Fernsehen zutrug. Offensichtlich hatte es der Politiker darauf abgesehen, den philosophischen und geistreichen zu beleidigen, der sich das allerdings gefallen ließ:

 

Politiker: „Sie haben langen Haare. Sind Sie womöglich eine Frau?“

Frank Zappa: Sie haben ein Holzbein. Sind Sie womöglich ein Tisch?“

 

Schlagfertigkeit kann aber auch witzig daherkommen und gleichzeitig sarkastisch und beleidigend sein. Ein Beispiel ist Winstons Churchills Erwiderung, als ihm auf einer Party eine Dame seine Trunkenheit vorwarf:

Lady Astor: “Sie sind betrunken, Sir.”

Winston Churchill: “Ja, Madam, so ist es. Und Sie sind hässlich. Ich jedoch werde morgen wieder nüchtern sein.”