Als Thomas zum Life Coaching kommt, wünscht er sich, etwas souveräner und schlagfertiger gegenüber seinen Kunden aufzutreten. Nach einem Burnout als Angestellter hat er sich als Innenarchitekt selbstständig gemacht.

Jetzt hat er oft mit Bauherren und Handwerkern zu tun. Mit dem Fehlverhalten der Handwerker wie Unpünktlichkeit und Unhöflichkeit hat er sich mittlerweile abgefunden. Bei einem bestimmten Bauherren missfällt ihm der rüde, unhöfliche Ton und der fehlende Respekt ihm gegenüber.

Die unfaire Kommunikation mit dem grantigen Bauherren allerdings überfordert ihn. Daran möchte er etwas ändern, das möchte er nicht erneut erleben. Als dieser ihn nämlich einmal sogar vor den Kunden kritisiert und gemeint hatte.

Thomas würde seine Arbeit nicht richtig machen und die Kunden mit seiner laschen Art vergraulen, war Thomas sehr wütend und verletzt, vor allem weil die Kundenbetreuung nicht in sein Aufgabenbereich fällt, sondern Aufgabe des Bauherren ist.

Vor den Kunden wollte Thomas aber keine Diskussion anfangen und wusste einfach nicht, wie er sich verhalten sollte. Der Höhepunkt des Ganzen war schließlich, dass der Bauherr Thomas auch noch den Rücken zukehrte, bevor er irgendetwas erwidern konnte, und ihn vor den Kunden als naiven, aber sonst netten Kerl bezeichnete.

Von mir wollte Thomas daraufhin wissen, wie er reagieren sollte, wenn so etwas noch einmal erleben sollte.

 

Schwarze Rhetorik: Faire Kommunikation oder Manipulation?

Wann ist Kommunikation fair und zielführend und wann dient sie nur dazu, andere auf unrechte Weise zu beeinflussen – also andere zu manipulieren? Rhetorik wird unfair, wenn sie dazu benutzt wird, andere Menschen zu etwas zu bewegen, ohne dass diese wissen, dass sie nur den Zielvorgaben des Manipulators dienen sollen. Dies geschieht in dem Beispiel oben dadurch, dass:

1. keine Rücksicht auf andere genommen wird: Die Bedürfnisse und Gefühle von Thomas werden angegriffen. (Er wird als Angsthase dargestellt und es wird an seinen Burnout erinnert.)

2. (non-)verbal ein verzerrtes Bild gezeichnet wird: Die Schuld liegt (immer) beim anderen (also bei Thomas), selbst ist man der Kompetente (der Bauherr).

3. dem anderen gegenüber kein Respekt entgegengebracht wird oder der andere sogar (vor anderen) klein gemacht wird: Der Bauherr bezeichnet Thomas vor den Kunden als lasch und naiv.

4. Kontrolle oder Macht demonstrativ ausgeübt wird: Zum Beispiel wenn sich eine Person (der Bauherr) abwendet und dem Gesprächspartner (Thomas) dadurch nur geteilte Aufmerksamkeit widmet oder ihn einfach ignoriert. Voraussetzung ist, dass diese Art der unfairen Kommunikation bewusst angewandt wird, um ein gewünschtes Resultat zu erzielen. Dabei wird in Kauf genommen, dass andere seelischen Schaden erleiden.

 

Faire Kommunikation

… zeichnet sich dadurch aus, dass das eigene Verhalten anderen gegenüber transparent und authentisch ist. Dabei wird das Gesagte normalerweise gespiegelt, Bedürfnisse und Ziele werden auf beiden Seiten deutlich. Gefühle werden nicht verletzt.

 

Manipulative Kommunikation

… zeichnet sich dadurch aus, dass ein Gespräch bewusst gelenkt wird. Gezielt wird Einfluss auf den Gesprächspartner genommen. Dafür werden Rhetorische Stilmittel eingesetzt. In der Folge entstehen beim Opfer Ärger und Wut, werden aber oft unterdrückt.

Menschen, die an der Arbeit Opfer von manipulativen Gesprächspartnern sind, fühlen sich manchmal zum Jobwechsel gezwungen. Es ist daher wichtig, Manipulationstechniker zu erkennen und kontern zu können.

 

Manipulative (Schwarze) Rhetorik

Schon bei dem Philosophen Aristoteles war die Rhetorik Redekunst, die Kunst der Überzeugung, nicht der Überredung. Beim überzeugen steht faire Kommunikation im Mittelpunkt. Überreden lässt aber Spielraum für Manipulation.

Ein Aspekt von schwarzer Rhetorik ist das Anwenden sogenannter „Killerphrasen“ Diese Phrasen werden oft benutzt, um jemanden herabzusetzten. Dadurch werden Werte verletzt. Es wird oft auf die Person angespielt und nicht auf die Sache. So entstehen Konflikte und eine Kommunikation wird unmöglich.

 

Reframing

Durch ein Reframing kann das Gesagte in einen günstigeren Rahmen eingefügt werden. Das klappt, wenn die Aussage gespiegelt und positiv umgedeutet wird. So kommt es zu einem Perspektivenwechsel, der die Kommunikation fördert.

 

Konkrete Beispiele

Aussage: „Sie sind immer so ängstlich.“
Antwort: „Sie finden, dass ich ängstlich bin? Ich würde es Behutsamkeit nennen.
Schlagfertigkeit: Wenn eine umfassende Risikoanalyse gefragt ist, bin ich sehr genau.“

Aussage: „Sie sind echt naiv.“
Antwort: „Sie sagen, dass ich naiv bin? Ich würde es Optimismus nennen.
Schlagfertigkeit: Wenn ich Negatives gegen Positives abwiege, wähle ich oft das, was meiner Lebenseinstellung entspricht.“

 

Rechtfertigen oder schlagfertig Kontern?

Eine Rechtfertigung oder ein Angriff sind überflüssig und meistens kontraproduktiv. Zielführender ist es, mit fairer Kommunikation zu kontern. Das nämlich ist ein Zeichen von Stärke.

 

Kommunikationsstile

Nach Shelly Gable lassen sich 4 Kommunikationsstile unterscheiden:

1. passiv konstruktiv
in der Aussage: sachlich und positiv bewerten
in der Körpersprache: wenige Emotionen zeigen

2. aktiv konstruktiv
in der Aussage: positive Gefühle, Anerkennung und Wertschätzung ansprechen und äußern
in der Körpersprache: Zuwendung zeigen und lächeln

3. passiv destruktiv
in der Aussage: plötzlicher Themenwechsel, Beitrag ignorieren
in der Körpersprache: kaum Resonanz

4. aktiv destruktiv
in der Aussage: Probleme ansprechen, negative Emotionen zeigen, Kritik an Person üben
in der Körpersprache: abwenden, abwertende Mimik

 

Was nutzen mir diese Kommunikationsstile?

  • Ich kann Absichten des Redners am Stil erkennen (passiv und aktiv destruktiv).
  • Ich kann versuchen, andere aus ihrer Destruktivität/Passivität herauszuholen.
  • Ich kann vermeiden, dass meine Werte verletzt werden.
  • Privat und beruflich kann ich versuchen, den aktiv konstruktiven Kommunikationsstil anzuwenden.
  • Ich kommuniziere selbstbewusst und bin selbstbestimmt.

 

Selbstübung

Aktiv konstruktive Kommunikation:

  • Führe in den nächsten Wochen wichtige Gespräche mit Freunden oder Kollegen, die eine faire Kommunikation zulassen.
  • Versuche das Gespräch weg von destruktiven, hin zu konstruktiven Gesprächsstilen zu lenken.
  • Übe vor allem, positive Gefühle anzusprechen und zu beobachten, wie das die Stimmung allgemein und die Beziehung zu deinem Gegenüber im Besonderen beeinflusst.

 

Übung mit dem Life Coach

Im Coaching-Gespräch werden aktuelle Probleme in der Kommunikation angesprochen, insbesondere:

  • die Psychologie der Kommunikation → aktive konstruktive Kommunikation
  • das Verbessern der Körpersprache → Beobachtung von Interpretation trennen
  • schwarze Rhetorik abwenden, privat und beruflich → Reframing
  • „gesunde“ Rhetorik anwenden → Dialog und Diskussion sinnvoll einsetzten
  • mit dem inneren Kritiker arbeiten → Persönlichkeitsanteile herausarbeiten

 

 

© Timo ten Barge [25.12.2018]