Es gibt Menschen, die ihr ganzes Leben nach Lebenserfüllung suchen, und welche, die kaum reflektieren. Irgendwo dazwischen zu sein, wäre ideal um seine Lebensziele bestimmen zu können.

Vielleicht fällt ja Kant in die erste Kategorie. Wenn sein Wille zu wissen tatsächlich seine Lebenserfüllung gewesen ist, hat er es konsequent umgesetzt.

Die schlichte Formulierung einiger Fragen, die später in seine Hauptwerke münden, zeigen, wie wichtig es ist, klare Ziele zu formulieren

Die drei Basisfragen

Was kann ich wissen?
Was soll ich tun?
Was darf ich hoffen?

Die Beantwortung dieser drei Fragen resultiert in seine vierte Hauptfrage: Was ist der Mensch?

Die erste Frage – Was kann ich wissen? – beschäftigt sich mit den Grenzen des Erkennens und kann für Zwecke der Lebenszielfindung umformuliert werden in: Was sind die Grenzen meines Wissens und wie kann ich mein Wissen optimal erschöpfen, so dass meine Talente hervortreten und meine Lebensziele sichtbar werden.

Die zweite Frage – Was soll ich tun? – ist eine ethische Frage. Ich kann erst etwas für andere tun, wenn ich weiß, für wen ich meine Talente einsetzten kann, und wenn ich weiß, was genau die betreffende Person braucht.

Die dritte Frage – Was darf ich hoffen? -, die bei Kant eine religionsphilosophische Reichweite hat, kann auch moderner formuliert werden, indem man erhofft, dass Veränderungen aus den ersten beiden Fragen entstehen. Die Veränderung entsteht so nicht durch einen Glauben von oben, sondern durch den Glauben an sich selbst.

Die vierte Frage – Was ist der Mensch? – ist die Erfüllung der drei Basisfragen. Das, was einen Menschen zum Menschen macht, ist zu wissen, was seine Fähigkeiten sind, für wen er sie mit Spaß und Leidenschaft einsetzen kann, was er für andere bedeuten kann und wie er sie und letztendlich sich selbst verändern kann.

Es geht also darum, das zu tun, worin man gut ist und was einem Spaß macht, diese Fähigkeiten (Talente) für andere einzusetzen, um darin Erfüllung zu finden, dann hat man seine Lebensziele erreicht. Es ermöglicht ein sinn– und werte-orientiertes Leben.

© Timo ten Barge [13.04.2016]