Oskar buchte vor einigen Wochen eine erste Session bei mir. Er meinte, er habe kein Talent zum Smalltalk. Im Grunde sei ihm Smalltalk regelrecht zuwider. Ihm seien „richtige“ Gespräche (mit guten Freunden oder Kollegen) wichtiger. Er wollte seine Fähigkeiten, vertiefende Gespräche zu führen, ausbauen und diese vor allem im privaten Bereich nutzen. Smalltalk müsse er hauptsächlich beruflich führen. Deshalb wollte er diesen Gesprächsstil trotzdem beherrschen.

Was ist Smalltalk?

Der Smalltalk ist ein beiläufiges Gespräch, eine Konversation ohne Tiefgang. Bei privaten oder beruflichen Zusammenkünften ist er oft ein notwendiger Einstieg in verschiedene Gesprächsformen. Im Smalltalk ist man gefangen in Konventionen; er besteht aus einen Austausch von Höflichkeiten.

Was ist ein vertiefendes Gespräch?

Ein vertiefendes Gespräch geht über den Smalltalk hinaus. Dabei werden persönliche Gefühle geäußert oder Gedanken offen ausgesprochen. Jeder der Gesprächsteilnehmer ist bereit, seine vertraute Zone zu verlassen. In tieferen Gespräche ist die Risikobereitschaft größer, es entsteht oft eine Nähe im Gespräch, die es in gewöhnlichen Unterhaltungen nicht gibt. Durch diese Nähe bekommt man einen privilegierten Zugang zum anderen, Freundschaften können entstehen.

Tipps für den Smalltalk

Um ein guter Smalltalker zu werden, muss man viel üben, also viele Menschen ansprechen. Wenn man öfters mit einem Nachbarn oder einer Kassiererin smalltalkt, wird es einem auch bei der Arbeit oder auf einer Party leichter fallen, mit anderen ins Gespräch zu kommen. Dabei muss man ein Gespür für die jeweilige Situation entwickeln.

1. Positive Körpersprache und einladende Mimik → erzeugen Sympathie
Der Blickkontakt ist entscheidend für einen gelungenen Smalltalk.
Durch den Blickkontakt holen wir erst die Zustimmung ein, den Smaltalk zu beginnen. Schließlich liegt es meist weniger an den Inhalten, als vielmehr an Körpersprache und Mimik, ob wir jemanden sympathisch finden.

2. Mut zeigen → steigert das Selbstvertrauen
Beim Smalltalk in einer Bar kann der Anfang ein freundliches und schlichtes „’Hi, ich bin….’ sein.
Dafür ist Mut gefragt. Aber so ergeht es allen! Menschen mit einem großen Freundes- und Bekanntenkreis haben sich mehrmals im Leben dieser Mutprobe gestellt. Sie wurden dann im Laufe der Zeit immer geschickter. Wie jeder andere auch – ganz einfach durch Übung.

3. Eine offene Frage stellen → eröffnet ein Gespräch
Ja/nein-Fragen bedeuten oft ein frühes Ende des Gesprächs. Offene Fragen machen eine Konversation lebendiger. Auf einer Party kann man beispielsweise fragen, woher der andere den Gastgeber kennt.

4. Richtig zuhören → erzeugt Vertrauen und Interesse
Es klingt banal, wird aber in der Kommunikation oft vernachlässigt: Richtig zuhören heißt, die Aussagen des anderen zu spiegeln und sich zu vergewissern, dass man seinen Gesprächspartner richtig verstanden hat. Wenn nötig, paraphrasiert oder wiederholt mein seine letzten Worte. So kommt das Gespräch nicht ins Stocken.  Auf einer Veranstaltung erwähnt zum Beispiel jemand, dass er den Entschluss, seinen Job zu kündigen auf einer tropischen Insel getroffen hat. Da reicht es zu wiederholen: „Aha, auf einer tropischen Insel“? Der Gesprächspartner wird gerne erklären, wo genau er seinen Entschluss fasste und wie es dazu kam.

5. Eckdaten merken → zeigt Interesse und ruft Bewunderung beim anderen hervor
Im Gespräch sind wir oft so mit uns selbst beschäftigt, dass wir vergessen, nachzuhaken und dem anderen zu zeigen, dass wir zuhören. Dabei schätzen es andere, wenn wir uns ihren Namen merken und wichtige Eckdaten ihrer Person oder der Geschichte, die sie uns erzählen. Auf einem Elternabend beispielsweise kommt es gut an, wenn man zeigt, dass man sich die Namen einiger anderer Väter und Mütter und ihrer Kinder gemerkt hat.

6. Komplimente machenAnerkennung steigt
Man muss kein Psychologe sein, um zu wissen, dass Komplimente gut tun, und manchmal sogar Wunder wirken. Auf einer Konferenz könnte man nach einem öffentlichen Redebeitrag des Gesprächspartners erwähnen, wie fundiert und fachkundig sein Auftritt war.

7. Originell sein → Interesse beim Gesprächspartner steigert sich
Wenn ein Lehrer auf die Frage, was er beruflich macht, antwortet: „Ich helfe Kindern, sich frei entfalten zu können“ weckt er vielleicht das Interesse des anderen und bietet zahlreiche Anknüpfungspunkte für ein spannendes Gespräch.

 

Tipps für vertiefende Gespräche

Basis und Einstieg in ein vertiefendes Gespräch ist oft der Smalltalk. Beim „Big Talk“ gibt es allerdings noch weitere Elemente, die für eine gute Gesprächsführung wichtig sind.

1. Positive Gesprächsinhalte → erzeugen angenehme Emotionen
Es ist oft einfach, sich über Dinge zu unterhalten, die nicht gut laufen. Bei Menschen mit dem Bedürfnis, Negatives zu erzählen, ist die sogenannte Selbstoffenbarungsseite stark ausgeprägt. Sie möchten sich Probleme regelrecht vom Leib reden. Ein solches (oft ungefragtes) Gespräch erhält bisweilen eine psychologische Tiefe, jedoch keine inhaltliche. Eine Herausforderung ist es dagegen, eine positive Perspektive einzunehmen und eher wertfrei zu kommunizieren. Das können vor allem Menschen mit einem hohen Selbstwert. Sie brauchen nicht das Leid anderer, um sich besser zu fühlen.

2. Schnittmenge suchen → schafft Verbindung
Themen, die man mit anderen gemeinsam hat, machen ein Gespräch erst lebendig. Es lohnt sich, eine Liste anzulegen mit Stichpunkten, die einen selbst interessieren. Das können Themen sein wie Reisen, Kochen, Sport etc. Diese können gezielt in ein Gespräch eingebracht werden. Wichtig ist es dann allerdings auch, darauf zu achten, ob der Gesprächspartner mit dem Thema wirklich etwas anfangen kann.

3. Echte Kompliment machen → steigert den Selbstwert
Andere spüren es, wenn ein Kompliment nur gemacht wird, um zu schmeicheln, oder wenn es aufrichtig gemeint ist. Ein echtes Kompliment kann gleich am Anfang des Gesprächs eingesetzt werden, wenn der andere seinen Namen genannt hat. – „ Ein schöner Name, hat er eine besondere Bedeutung?” – Die eigene Körpersprache wird verraten, ob dieses Kompliment ehrlich war.

4. Anekdoten erzählen → fesselt den Gesprächspartner
Den Gesprächspartner mit etwas Lustigem oder Spannendem zu unterhalten, bringt zwei Vorteile mit sich. Es macht den Redner interessanter und lädt sein Gegenüber dazu ein, daran anzuknüpfen und von eigenen Erfahrungen zu erzählen. Wenn man zum Beispiel weiß, dass der andere gerade im Urlaub war, kann man selbst von einer Reise erzählen und so den anderen dazu ermuntern, von seinen eigenen Erlebnissen zu berichten. So ist für eine Menge Gesprächsstoff gesorgt. Generell sind narrative Einschübe – also kleine Geschichten – ein ideales Kommunikationsmittel für tiefere Gespräche.

5. Existentielle Fragen stellen → verschafft einen privilegierten Zugang
Jedes Gespräch, das sich direkt und explizit um Gefühle und Empfindungen dreht, ist ein Gespräch mit Tiefe. Wer den anderen fragt, was ihn in letzter Zeit beschäftigt hat, hört von Erfreulichem, von Begeisterung oder auch dem Ringen mit Problemen. Vielleicht ist der andere kurz davor, eine wichtige Entscheidung zu treffen. Vielleicht will er sich von seinem Partner trennen oder den langjährigen Job kündigen.

In einem solchen Gespräch werden oft Wertefragen thematisiert oder sogenannte “lebensphilosophische Fragen”.  Wenn man selbst offenbart, was einen antreibt, wofür man brennt, hat man die Möglichkeit, den anderen nach seinen Leidenschaften zu fragen. Man kann ihn auch nach seinen Lebensinhalten oder Lebenszielen fragen. Am besten greift man auf Themen zurück, die beide interessant finden, d.h. man sucht die Schnittmenge zwischen der eigenen Leidenschaft und der des anderen.

6. Imperfektionstoleranz zeigen → zeigt, dass man authentisch ist
Perfektionisten machen sich oft selbst das Leben schwer und wirken unzugänglich oder unsympathisch. Nichts dagegen ist menschlicher, als Fehler zu machen. Menschen, die etwas Großes wagen, nehmen in Kauf zu scheitern. Das macht sie sympathisch und es wird leicht, sich mit ihnen zu identifizieren.

Vorteile von Smalltalk und vertiefenden Gesprächen?

  • Du bist in der Lage, deinen Freundeskreis zu erweitern.
  • Du kannst bestehende Freundschaften vertiefen.
  • Du kannst entspannter und erfolgreicher Geschäfte machen.
  • Du wirst entspannter und erfolgreicher im Bewerbungsgespräch.
  • Du fühlst dich wohler beim Einkaufen, beim Friseur, beim Warten auf dem Bus etc.
  • Du erweiterst und vertiefst deine kommunikativen Fähigkeiten.

No-Go’s in Gesprächen

Es gibt einige Themen, die nichts im Small Talk zu suchen haben, wie: Religion, Geld, Tod und Krankheit. Das sind Themen, die Werte verletzen, Wut hervorrufen und Konflikte verursachen können. Generell sollte man auf folgende Verhaltensweisen verzichten:

  • Negative Körpersprache → signalisiert Desinteresse
  • Über Probleme reden und klagen → zeigt Selbstfokussiertheit und Desinteresse für anderen
  • Über Negatives reden → verbreitet unnötig schlechte Stimmung
  • Nur Triviales erzählen → verschwendest die Zeit des anderen
  • Anfangen zu diskutieren → führt den anderen in die Enge

Negative Glaubenssätze

Überzeugungen, die nicht zielführend sind, schwächen das Selbstvertrauen. Sie verhindern Smalltalk und erst recht vertiefende Gespräche. Die Tipps oben zeigen, dass es nur wenige Fähigkeiten sind, die man sich aneignen muss, um guten Smalltalk zu machen. Negative Negative Glaubenssätze kommen oft noch aus der Kindheit, mit einem Coach können sie positiv umgedeutet werden.

  • „Ich muss gebildet sein, um Gespräche führen zu können.“ – Lebenserfahrung reicht aus als Gesprächsstoff.
  • „Ich bin nun mal kein guter Redner.“ – Beim Smalltalken lernt man ja gerade, mit anderen zu reden.
  • „Ich habe keine Gesprächsthemen.“ – Jeder hat Stärken, jeder hat Lieblingsthemen. Sie werden beim Smalltalk erweitert und können in anderen Gesprächen vertieft werden.
  • „Ich mag kein Smalltalk, weil mir das zu oberflächlich ist.“ – Der Smalltalk muss nicht das Ende des Gesprächs bedeuten. Aus ihm könnten sich vertiefende Gespräche entwickeln.
  • „Ich bin nicht gerne im Mittelpunkt.“ – Das sind die Wenigsten. Von allen ignoriert werden, möchte aber auch niemand.

Hilfestellung Life Coach

Bevor wir mit anderen ins Gespräch kommen, ist es wichtig zu wissen, was uns als Mensch besonders macht, was uns von anderen unterscheidet (Identität), wir wir genau vom Leben wollen (Selbstbestimmtheit) und wie wir auf andere wirken (Fremdbild).

Diese wichtigen Eckdaten der eigenen Persönlichkeit kann ein Life Coach durch Persönlichkeitstest, ehrliches Feedback und einfache Übungen erfassen. Zudem zeigt er Übungen, die die eigenen Stärken sichtbar machen und den Selbstwert sowie das Selbstvertrauen steigern. Negative Glaubenssätze deutet er um. Denn sobald jemand authentisch auftreten kann und sich seine Stärken bewusst ist, ist der Weg frei für entspannten Smalltalk und spannende und interessante Gespräche.

Entscheidend ist auch, sich zu überwinden, den anderen überhaupt erst einmal anzusprechen. Wenn dazu der Mut fehlt, muss zuerst das Selbstvertrauen aufgebaut werden. Dafür ist der Life Coach da. Er zeigt Übungen auf, die das Selbstvertrauen stärken, bis das Ansprechen Fremder keine Hürde mehr ist. Denn der Mut wird belohnt. Positive Begegnungen können in einem Notizbuch protokolliert und in den Session aufgearbeitet werden. Dadurch werden kleine Erfolge erzielt und summieren sich, bis das persönliche Ziel in greifbare Nähe rückt.

 

Smalltalk Gesprächsformen

© Timo ten Barge [27.02.2018]